Björn Ulvaeus

Der Abba-Sänger wird 70

Mamma Mia! Jahrzehnte nach dem Abba-Ende gehen Björn die Ideen für neue Projekte nicht aus: Nach Musicals, Museum und Bargeld-Boykott hat er nun wieder eine. Damit ihm auch mit 70 nicht langweilig wird.
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Der schwedische Ex-Abba-Sänger Björn Ulvaeus vor seinem neusten Projekt: Ein Veranstaltungsort, der an die griechische Taverne aus dem Musical „Mamma Mia“ erinnert. Quelle: dpa
Ulvaeus ist ein Tausendsassa

Der schwedische Ex-Abba-Sänger Björn Ulvaeus vor seinem neusten Projekt: Ein Veranstaltungsort, der an die griechische Taverne aus dem Musical „Mamma Mia“ erinnert.

(Foto: dpa)

StockholmAls die schwedische Popband Abba 1982 nach Welthits wie „Waterloo“ und „Dancing Queen“ sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand, brach für ihre Fans eine Welt zusammen. „Ich habe wirklich gedacht, das wär's. Dass wir in ein paar Jahren vergessen wären“, sagt Björn Ulvaeus über drei Jahrzehnte später dem „Wall Street Journal“. Damals reichte es dem Sänger und Komponisten wohl einfach nicht mehr, auf Plateauschuhen und in knalligen Kostümen auf der Bühne zu stehen. Im Rückblick ist das kaum verwunderlich: Ulvaeus ist ein Tausendsassa. Am Samstag wird er 70 Jahre alt.

Mit seinem Bandkollegen Benny Andersson schrieb der Schwede nach dem Abba-Aus einige Musicals und wusste auch die Beliebtheit des Quartetts zu nutzen: Das von ihm produzierte Musical „Mamma Mia“ mit den größten Abba-Hits feierte in Schweden wie im Ausland Riesen-Erfolge und wurde schließlich in den USA als Musikkomödie verfilmt.

Die Fans lieben den erklärten Humanisten, weil er nicht nur in den Medien, sondern auch bei vielen Abba-Events Präsenz zeigt. „Er nimmt sich immer Zeit, Autogramme zu schreiben“, sagt Monique Hoevens vom Internationalen Abba-Fanclub. Die Kuratorin des schwedischen Abba-Museums, Ingmarie Halling, nennt ihn einen „Vollblutkünstler“.

Ein Blick hinter die Kulissen von Abba
Abba bekommt eigenes Museum
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Die Mitglieder der schwedischen Popgruppe „Abba“: Benny Andersson, Annafrid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus (von links) beim Grand Prix Eurovision de la Chanson im südenglischen Brighton. In Stockholm können Fans des legendären Popquartetts jetzt in Erinnerungen schwelgen. Das neue Abba-Museum hat Originalkostüme und sogar eine Küche von Sängerin Anni-Frid.

ABBA Museum Opening in Stockholm
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Als einziger aus dem legendären schwedischen Quartett hat Ulvaeus aktiv an der Gestaltung des Museums mitgewirkt sowie eine Menge Geld investiert. Es kann kein „Yellow Submarine“, ein gelbes U-Boot, vor dem Eingang bieten wie das für die Beatles in Liverpool, das Pate gestanden haben dürfte.

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Zu sehen gibt es Gitarren in Sternenform, Dutzende Glitzerkostüme, Plateauschuhe und sogar den Hubschrauber, in dem Agnetha, Anni-Frid, Björn und Benny auf dem Cover des Albums „Arrival“ sitzen.

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Den eigenen Abba-Sound „mixen“ können nun auch Besucher. Ulvaeus sagte zum Konzept: „Hier wird mit Wärme und Humor die Geschichte erzählt, wie vier junge Leute zufällig zusammengekommen sind und diese Gruppe gebildet haben.“ Ein erheblicher Teil der gezeigten Stücke ist schon weltweit mit einer Wanderausstellung unterwegs gewesen.

ABBA The Museum
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Bis zur Auflösung der Gruppe wurden weltweit etwa 180 Millionen Platten verkauft mit Welthits von „Waterloo“ über „SOS“ bis „Money, Money, Money“. Das berühmte, aber zeitweilig aus Stockholm verschwundene Polar-Studio ist zumindest teilweise auch wieder da. Ausstellungskuratorin Ingmarie Halling fand das Mixerpult „im Internet“ und sagte, dass sie in Deutschland dafür 7000 Euro hinblättern musste. Klingt nach Schnäppchen.

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Drinnen können Fans von Dienstag an zu den Klängen des Abba-Welthits „Dancing Queen“ tanzen. Oder als „fünftes Mitglied“ mitsingen und auf einer Bühne umgeben von den Original-Abbas Anni-Frid, Agnetha, Benny und Björn in 3D als lebensgroße Hologramm-Figuren.

ABBA Museum Opening in Stockholm
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Das Interesse der Mitglieder am Museum scheint unterschiedlich auszufallen. Agnetha Fältskog (63) hält sich von der Eröffnung fern. „Sie ist in London zur Promotion ihrer neuen Solo-CD“, wich Museumssprecherin Lotta Balodis der Frage nach dem Warum aus. Obwohl sie doch gerade erst in einem Interview ihren bis dahin als eisern geltenden Widerstand gegen eine „Reunion“ aufgeweicht hatte. Immerhin zu einer Einweihungsparty und der offiziellen Eröffnung wollten Anni-Frid Lyngstad (67) und Benny Andersson (66) erscheinen.

Zuletzt machte der frühere Abba-Frontmann international aber weniger mit seinem künstlerischen Schaffen von sich reden als mit einem Selbstversuch: Ein Jahr lang lebte der Schwede ohne Bares. „Die einzige Unannehmlichkeit, die ich erlebt habe, war, dass man eine Münze braucht, um im Supermarkt einen Wagen auszuleihen“, schreibt er später auf der Webseite des Abba-Museums.

Seit bei seinem Sohn eingebrochen wurde, kämpft Ulvaeus für eine bargeldlose Gesellschaft. Denn er ist überzeugt: Die Diebe haben Stereoanlage und Co. auf dem Schwarzmarkt zu Cash gemacht. Auch im Stockholmer Museum kann man nicht mehr mit Scheinen zahlen. Ulvaeus musste sich deshalb den Vorwurf anhören, PR-Agent von Mastercard zu sein. Die sind nämlich Sponsor des Hauses - und Ulvaeus ein Investor.

Die schwedische Linné-Universität verlieh Ulvaeus kürzlich für sein „kreatives Unternehmertum in Musik, Kultur und im Erlebnisbereich“ einen Ehrendoktor. Das lebt er auch mit 70 ungebremst aus: Ab 2016 soll sich ein Restaurant gegenüber vom Abba-Museum in Stockholm in eine griechische Taverne verwandeln - für Ulvaeus' neuestes Baby „Mamma Mia! the Party“. „Das ist ein Experiment, wie es das Musical war. Diesmal sind die Zuschauer/Gäste Teil einer Story in Echtzeit“, erklärt der Schwede in einer Pressemitteilung. „Es könnte eine sehr große Party werden.“

Ob er seinen runden Geburtstag mit einer ebenso großen Party feiert, war nicht zu erfahren. Seine Frau Lena Källersjö, die er 1981 heiratete, wird wohl an seiner Seite sein. Mit ihr hat Ulvaeus genau wie mit der früheren Bandkollegin Agnetha Fältskog zwei Kinder. Die beiden waren privat noch vor dem Abba-Aus getrennte Wege gegangen.

  • dpa
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