BKA vor Ort
28 Urlauber stürzen mit Bus in den Tod

Bei einem schweren Busunfall nahe der französischen Stadt Lyon sind am Samstag mindestens 28 Urlauber aus Deutschland getötet worden. Der vollbesetzte Doppeldecker geriet am Morgen auf nasser Fahrbahn ins Schleudern. Der Bus durchbrach die Leitplanke der Autobahn, stürzte eine Böschung hinab und blieb auf dem Dach liegen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach den Angehörigen sein „tief empfundenes Beileid“ aus. Die Tragödie ereignete sich nur neun Tage nach dem verheerenden Busunglück mit 33 Toten in Ungarn.

HB/dpa LYON. Nach Angaben des deutschen Generalkonsulats in Lyon wurden 45 Bus- Insassen verletzt, 13 von ihnen schwer. Am Abend befanden sich noch 38 Verletzte in Lyoner Kliniken, 3 davon in lebensbedrohlichem Zustand. 15 sollten bereits am Sonntagmorgen entlassen werden. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD), der die Überlebenden besuchte, sagte, die Menschen stünden noch unter Schock. Angehörige der Opfer wollten noch am Wochenende nach Frankreich reisen. Die Businsassen hatten nach ersten Erkenntnissen eine Reise nach Spanien gewonnen.

Von den Toten seien bislang acht identifiziert worden, sagte ein Sprecher des deutschen Generalkonsulats in Lyon am Nachmittag. In der Nähe des Autobahnkreuzes Dardilly wurde eine Leichenhalle eingerichtet. „Viele der Toten waren durch den Aufprall ineinander verkeilt, die Bergung war sehr schwierig“, berichtete ein Feuerwehrmann. Die Leichen wurden in weißen Plastiksäcken aufgebahrt. Auch einer der beiden Fahrer des Busses wurde getötet.

Am Unglücksort bei Lyon spielten sich dramatische Szenen ab. Eine Ärztin berichtete, Verletzte hätten verzweifelt nach Überlebenden gesucht. „Sie irrten ziellos umher und suchten ihre Angehörigen.“ Ärzte und Retter hätten versucht, sie zu trösten und zu beruhigen. Insgesamt befanden sich 75 Menschen in dem Reisebus aus der Nähe von Hannover. Es war der schwerste Busunfall in Frankreich seit etwa zehn Jahren. Der französische Präsident Jacques Chirac übermittelte Bundeskanzler Schröder sein Beileid.

Die französische Staatsanwaltschaft vermutet, dass überhöhte Geschwindigkeit bei einem Überholmanöver zum Unfall führte. Sie leitete eine Untersuchung zur genauen Klärung der Ursache ein. Dazu trafen auch Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) in Lyon ein. Nach Angaben von Stolpe war nach erstem Anschein „menschliches Versagen“ die Ursache. Die Untersuchungen müssten aber abgewartet werden. Die meisten der überwiegend älteren Fahrgäste schliefen, als es zur Tragödie kam. Ähnlich wie viele der vor neun Tagen verunglückten Ungarn-Reisenden hatten auch sie die Fahrt bei einem Gewinnspiel gewonnen, wie der französische Rundfunksender France Info berichtete.

Nach Angaben der Feuerwehr ereignete sich das Unglück kurz vor 5 Uhr auf regennasser Fahrbahn. „Der Bus fuhr etwa mit 110 bis 130 Stundenkilometern“, sagte ein Autofahrer, der von dem Bus überholt wurde. „Plötzlich geriet er ins Schlingern und durchbrach die Leitplanke.“

Die Bergung der Opfer war nach Angaben der Behörden äußerst schwierig und dauerte rund 5 Stunden. Etwa 250 Helfer, Feuerwehrmänner und Polizisten waren im Einsatz. „Am schwierigsten war es, die Verletzten aus dem Wrack herauszuschneiden“, sagte ein Feuerwehrmann.

Der Doppeldeckerbus gehört nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums der Firma Tiger-Reisen in Wunstorf bei Hannover. Er habe in Flensburg, Kiel, Neumünster, Hamburg, Bremen, Oldenburg, Vechta, Osnabrück, Essen, Köln/Bonn und Wittlich Fahrgäste aufgenommen. Die Fahrt war vermutlich von mehreren Reiseunternehmen organisiert worden.

In dem Bus hatten 23 Menschen aus Niedersachsen und mindestens 10 aus Schleswig-Holstein gesessen. Letzte Zusteige-Station sei Wittlich in Rheinland-Pfalz gewesen, wo bis zu 4 Reisende eingestiegen sein sollen. Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Schleswig- Holstein, Christian Wulff (CDU) und Heide Simonis (SPD), zeigten sich tief erschüttert.

Als Konsequenzen aus den beiden schweren Busunfällen in Ungarn und Frankreich in kurzer Zeit sieht Stolpe nun das Thema Verkehrssicherheit als vordringlich an. „Dazu gehört auch die Anschnallpflicht in Fernbussen und die Kontrolle älterer Busse“, sagte er in Lyon. ADAC-Experte Klaus Reindl sagte in einem dpa- Gespräch: „Busse sind an sich sehr sichere Verkehrsmittel.“

Das Auswärtige Amt in Berlin richtete eine Hotline ein. Unter der Telefonnummer 030 - 5000 1000 können besorgte Angehörige Informationen und Unterstützung erhalten, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Im deutschen Generalkonsulats in Lyon wurde ein Krisenzentrum eingerichtet.

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