Blutbad an Schule
Winnenden: Ermittlungen gegen Vater von Tim K.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden eingeleitet. Gegenstand ist der Verdacht der fahrlässigen Tötung.
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HB WINNENDEN. Knapp eine Woche nach dem Amoklauf von Winnenden hat die strafrechtliche Aufarbeitung des Blutbades begonnen: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Todesschützen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein, wie Polizeisprecher Klaus Hinderer erklärte. Der 17-jährige Täter hatte eine Waffe seines Vaters verwendet, die dieser nach früheren Angaben der Ermittler im Schlafzimmer und nicht in einem Tresor aufgewahrt hatte.

Die Schüler der Albertville-Realschule machten derweil erste vorsichtige Schritte in die Normalität. Rund 90 Prozent der etwa 580 Kinder und Jugendlichen kamen am Montag in ihren jeweiligen Klassenstufen mit Lehrern und Psychologen zusammen, wie der Leitende Schulamtsdirektor Wolfgang Schiele sagte. Ab nächster Woche sollen sie dann wieder in ihre Klassenverbände zurückkehren. Die Schüler wurden mit Bussen in Gemeindezentren in der Stadt und umliegenden Orten gebracht.

Nach dem Massaker mit 16 Toten und elf Verletzten wurden laut Polizeisprecher Hinderer am Montag noch immer zwei Schülerinnen sowie eine Polizistin und ein Polizist mit schweren Verletzungen stationär im Krankenhaus behandelt. Nach einer Pressemitteilung der Esslinger Polizei konnten die beiden Beamten inzwischen die Intensivstation verlassen.

Alle Beerdigungen vor der Zentralen Trauerfeier

Nach einer ersten Beisetzung am Samstag sind für die nächsten Tage nach diesen Angaben weitere Beerdigungen vorgesehen. Nach Informationen der Polizei sollen alle Opfer von Tim K. noch vor der Zentralen Trauerfeier mit Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag beigesetzt sein. Wann und wo der Attentäter selbst beigesetzt werden soll, war zunächst nicht bekannt. Seine Eltern und wohl auch seine jüngere Schwester waren am Montag weiter an einem auch für die Polizei unbekannten Ort, wie Hinderer sagte. Der Kontakt zu der Familie werde über ihren Anwalt gehalten.

Nicht äußern wollte sich der Sprecher zu einem Zeitungsbericht, wonach nach Angaben des Schützenvereins SSV Leutenbach Tim K. nur ein einziges Mal, und zwar im Oktober 2008, in der Anlage mit einer Pistole geschossen habe. Die „Stuttgarter Nachrichten“ berichteten unter Berufung auf den Vereinsvorsitzenden Detlef Lindacher, dies sei auch vorschriftsmäßig im Schießbuch notiert worden. Eine weitere Schießübung drei Wochen vor dem Amoklauf sei nicht eingetragen worden.

Verband fordert Gefahrenzulage für Lehrer

Als Reaktion auf den Amoklauf wurde am Montag verstärkt die Situation der Lehrer diskutiert. Der Philologenverband setzte sich für eine bessere Lehrerbezahlung oder eine Gefahrenzulage ein. Der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger sagte der „Bild“-Zeitung: „Der Amoklauf hat erneut gezeigt, dass Lehrer in ihrem Beruf immer öfter zum Hassobjekt werden. Man könnte jetzt über eine Art Gefahrenzulage nachdenken.“ Zumindest müssten Lehrer finanziell besser gestellt werden. Während die CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche im selben Blatt Sympathien für die Position zeigte, sprach die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) von einer „unangemessenen, peinlichen Reaktion“ auf den Amoklauf, bei dem auch drei Lehrerinnen erschossen worden waren.

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