Blutbad in Lüttich
Zahl der Opfer weiter gestiegen

Die Zahl der Attentatsopfer in Lüttich ist weiter gestiegen. Eine Frau starb zwei Tage nach dem Amoklauf an den Folgen ihrer Verletzungen. Etwa 20 Personen werden noch immer im Krankenhaus behandelt.
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Brüssel/LüttichZwei Tage nach dem Amoklauf von Lüttich ist die Zahl der Todesopfer auf fünf gestiegen. Eine 75-Jährige erlag in der Nacht zum Donnerstag ihren Verletzungen, wie ein Sprecher des Krisenzentrums der Nachrichtenagentur dapd bestätigte. Etwa 20 Personen würden noch im Krankenhaus behandelt.

Der 33-jährige vorbestrafte Nordine A. hatte am Dienstag auf dem Weg zu einem Polizeiverhör in der Innenstadt mehrere Granaten gezündet, das Feuer auf Passanten eröffnet und sich anschließend selbst erschossen. Er tötete neben der Rentnerin zwei Schüler, ein anderthalb Jahre altes Baby sowie eine 45-jährige Putzfrau.

Nach Angaben vom Dienstagabend erlitten 123 Passanten Verletzungen, zuvor war von 75 die Rede gewesen. Das Motiv des Mannes - offenbar ein Einzeltäter ohne terroristischen Hintergrund - war zunächst unklar. Erste Berichte, wonach es mehrere Täter gab, bestätigten sich nicht.

Der Täter wurde 2008 wegen Waffenbesitzes zu knapp fünf Jahren Gefängnis verurteilt, meldete die Nachrichtenagentur Belga. Nach der Haftstrafe sei er von der Polizei zu einer Anhörung vorgeladen worden, dort aber nicht erschienen. Der 33-Jährige war wegen seiner Gewaltdrohungen polizeibekannt, aber nicht wegen Terrorismus, erklärte die Lütticher Staatsanwältin Danièle Reynders ausdrücklich. Der Mann lebte ganz in der Nähe des Tatortes.

Der Anschlag ereignete sich gegen Mittag auf einem zentralen Platz in der Innenstadt, gleich neben einem Weihnachtsmarkt. Der Täter warf nach ersten Erkenntnissen mehrere Handgranaten auf eine Bushaltestelle, wo viele Menschen warteten, dann schoss der 33-Jährige auf die Wartenden.

Das belgische Fernsehen zeigte Bilder von Passanten, die voller Panik davonliefen und sich in Geschäfte flüchteten. Geschäftsleute verbarrikadierten ihre Läden. Viele der Opfer seien von Geschossen oder Splittern verletzt worden. Ein Großteil sei um die 20 Jahre alt.

Nach den blutigen Ereignissen herrschte in Belgien Trauer. Der belgische Premierminister Elio Di Rupo besuchte ebenso wie König Albert II. und seine Frau den Tatort. „Das ganze Land teilt Ihren Schmerz“, sagte Di Rupo an die Adresse der Familien der Opfer. Er betonte, es habe sich um einen Einzeltäter und nicht um Terrorismus gehandelt. Auch der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einer „Einzeltat, die tiefe Betroffenheit im Herzen der Stadt gesät hat.“ Die Regierung setzte ein Sondertreffen der Minister für Mittwochmorgen an.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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