Blutbad in Lüttich
Zahl der Todesopfer nach Amoklauf steigt auf sechs

In einem Lager wurde eine Frau gefunden, die der 33-Jährige offenbar vor seinem Amoklauf getötet hatte. Mit ihr und dem 18 Monate alten Baby, das seinen Verletzungen erlag, steigt die Zahl der Todesopfer auf sechs.
  • 0

LüttichDie Zahl der Todesopfer im belgischen Lüttich ist auf sechs gestiegen. Ermittler fanden einen Tag nach dem Amoklauf eines 33-Jährigen in einem von ihm benutzten Lager eine Frauenleiche. Staatsanwalt Cedric Visart de
Bocarme sagte am Mittwoch, die die 45 Jahre alte Putzfrau des Nachbarn sei vom Täter in dem Lager getötet worden, bevor er sich ins Zentrum der Stadt begeben habe, wo er vier Menschen erschoss, darunter ein 17 Monate altes Kind.

Das Lager habe der Mann zum illegalen Anbau von Cannabis genutzt. Der Mann hatte am Dienstag aus bislang ungeklärten Gründen im Zentrum der Stadt wahllos auf Menschen geschossen, die ihre Weihnachtseinkäufe tätigten. Nach der Tat richtete er sich selbst hin. Er war mit einem Schnellfeuergewehr und Handgranaten bewaffnet.

Der Mann war bereits wegen illegalen Waffenbesitzes und Cannabisanbaus zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Einen terroristischen Hintergrund schlossen die Ermittler aus.

Nach ersten Erkenntnissen begann der Amoklauf bereits am Dienstagmorgen: Der Täter Nordine A. hat laut Staatsanwältin zuerst die Putzfrau mit Kopfschuss getötet. Danach habe er drei Granaten auf eine Bushaltestelle in der Innenstadt geworfen. Dort starben ein Kleinkind von 17 Monaten sowie zwei Studenten von 15 und 17 Jahren. Kurz danach richtete sich Nordine A. selbst mit einem Revolver.

Eine 75-jährige Frau, die zunächst für tot erklärt worden war, habe überlebt, sagte die Staatsanwältin. Der Täter hatte Handgranaten und Schüsse in die Menge auf einem zentralen Lütticher Platz abgefeuert. Nach neuesten Zahlen sind 125 Menschen verletzt, von denen ein Viertel von Psychologen betreut werde. Fünf Menschen befänden sich noch in einem kritischen Zustand. Unter ihnen sind die 75-Jährige, die am Vortag für tot erklärt worden war und ein 20-Jähriger, der am Kopf operiert worden sei.

Die Stadt stand unter Schock: Heute Mittag will Lüttich der Opfer mit einer Mahnwache und einer Schweigeminute gedenken. Wie die Lütticher Staatsanwältin Danielle Reynders sagte, war wegen Waffendelikten, Drogen- und Sittlichkeitsvergehen vorbestrafte Mann am Dienstag eigentlich zu einem Polizeiverhör vorgeladen. Dazu sei er jedoch nicht erschienen. Stattdessen sei er mit einem Revolver, einem Gewehr und mehreren Blendgranaten zum zentralen Platz der ostbelgischen Stadt gefahren. Dort habe er von einem Gebäude aus das Feuer auf die Passanten eröffnet, sagte Reynders.

An dem Platz befinden sich ein Weihnachtsmarkt und ein Gericht. Ein 15-Jähriger war auf der Stelle tot. Ein weiterer Jugendliche sowie eine 75-Jährige und ein 18 Monate altes Baby erlagen später in einem Krankenhaus ihren Verletzungen. Mehr als 100 weitere Menschen wurden verletzt, die meisten an einer Bushaltestelle.

Das belgische Fernsehen zeigte am Dienstagachmittag fliehende und schreiende Menschen in den Straßen der Stadt und eine Blutlache auf dem von der Polizei gesperrten Platz. Es sei unklar, ob der Mann sich anschließend selbst tötete oder ob eine „seiner Waffen explodierte“, sagte Staatsanwältin Reynders. Es sei aber davon auszugehen, dass es sich um einen Einzeltäter handle. Ein terroristischer Hintergrund sei nicht erkennbar.

Seite 1:

Zahl der Todesopfer nach Amoklauf steigt auf sechs

Seite 2:

Politiker schockiert über Gewalttat

Kommentare zu " Blutbad in Lüttich: Zahl der Todesopfer nach Amoklauf steigt auf sechs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%