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Bluttaten zu Silvester: „Glückliche Gesichter erhöhen den Frust“

Zwischen Weihnachten und Silvester häufen sich Mord und Totschlag. Im Interview erklärt der Kriminologe Christian Pfeiffer, was Kindheitserinnerungen damit zu tun haben und warum nicht alle Taten spontan sind.

Gewalttaten zwischen den Feiertagen sind nicht ungewöhnlich, meint Kriminologe Christian Pfeiffer. Glückliche Gesichter und Alkohol erhöhen den Frust. Quelle: dpa
Gewalttaten zwischen den Feiertagen sind nicht ungewöhnlich, meint Kriminologe Christian Pfeiffer. Glückliche Gesichter und Alkohol erhöhen den Frust. Quelle: dpa

Hannover/BerlinWenn die Gefühle in den letzten Tagen des Jahres hochkochen, wird besonders oft getötet. Die blutigen Taten hätten oft mit Frust und Familienzwist zu tun, sagte der Kriminologe Christian Pfeiffer im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Sieben Menschen starben 2012 zwischen Heiligabend und dem zweiten Weihnachtsfeiertag unter anderem bei Messerattacken. Auch Silvester sei eine gefährliche Zeit, meint der Direktor Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Ein Grund: Lachen und glückliche Gesichter.

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An den Weihnachtstagen haben sich Mord und Totschlag gehäuft. Warum ballen sich gerade an diesem Fest solche Taten?

Pfeiffer: Weihnachten ist ein emotional sehr belastetes Fest. Man verknüpft damit hohe Erwartungen. Das hat mit der eigenen Kindheit zu tun, in der man beschenkt worden ist und sich immer auf das Großereignis des Jahres gefreut hat. Bei Familienbesuchen bleiben später Enttäuschungen und Verletzungen nicht aus, wenn Dinge, die sonst unter den Teppich gekehrt werden, auf den Tisch kommen. Wo Konflikte im Vordergrund standen, kann die räumliche Nähe zu massiven Spannungen und zu starken Reaktionen führen. Alte Wunden brechen auf, die scheinbar schon vernarbt waren. Und wenn dann Alkohol dazu kommt, hat die Polizei viel zu tun.

Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer. Quelle: dpa
Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer. Quelle: dpa

Das klingt eher nach spontanen Taten. Wird unter dem Tannenbaum planlos umgebracht?

Es gibt beides. Ein kleines Taschenmesser deutet auf einen eskalierenden Streit hin, den man so nicht im Auge gehabt hat. Da sind möglicherweise die Emotionen hochgegangen und man nimmt, was man in der Eile greifen kann. Bei geplanten Taten sucht man sich Instrumente, die sicherer zum Tod führen – zum Beispiel eine Schusswaffe.

Wie steht es um andere Festtage im Jahr, zum Beispiel Silvester?

Auch das Jahresende ist laut Tatzeitstatistik der Polizei ein gefährliches Datum. Das normale Alltagsgeschehen wird unterbrochen. Man ist nicht im Trott und ist emotional aufgerissen. Wenn dann Bilanz gezogen wird und sich die Menschen mit dem auseinandersetzen, was positiv oder negativ gelaufen ist, werden ihnen Enttäuschungen besonders stark bewusst. Glückliche Gesichter um einen herum erhöhen den Frust, der im Alkohol ertränkt wird und der zu aggressiven Reaktionen führt. Das ist weltweit so. Hinzu kommt, dass sich die Menschen in dieser Jahreszeit mehr in geschlossenen Räumen aufhalten. Im Sommer ist man eher im Freien und die Enge fällt weg.

 

  • 30.12.2012, 15:29 Uhrhermann.12

    Der Artikel beschreibt die Symptome und Anlässe sehr treffend, die zu Gewalttaten führen. bei den Ursachen bleibt er aber extrem oberflächlich. sollen wir etwa aufhören zu lachen und uns zu freuen? Das wäre absurd.

    Das eigentliche Problem liegt in der mangelnden Charakterbildung der Täter, ihre Frustrationstoleranz ist entsprechend gering.
    Das ist letztlich häufig ein erzieherisches Versäumnis in jungen Jahren. Die Lebensumstände setzen im Wohlstand viel zu wenige natürliche Grenzen, so dass das Grenzensetzen viel stärker zur Erziehungsaufgabe geworden ist, als dies in Mangelgesellschaften nötig ist.
    Man kann den Eltern der ersten Wohlstandskinder kaum einen Vorwurf machen, dass sie das nicht wussten. Wer allerdings heute noch Kinder diesbezüglich verwöhnt handelt grob fahrlässig. Die Einsicht darin ist allerdings immer noch unterentwickelt, weil viele Eltern den Frust ihrer Sprösslinge nicht ertragen, statt einen Gewinn darin zu sehen. Das kommt auch daher, weil viele Eltern erlebt haben, wie solche Rücksichtslosigkeit erfolgreich wurde. dazu sei nur gesagt, das das zukünftig immer schwerer werden wird, weil die Erfahrung nicht nur gelehrt hat, das Rücksichtslosigkeit Erfolg verspricht, sondern auch das man solche Menschen beschränken kann, wenn man mit Rücksichtslosigkeit rechnet, egal wie clever die Rücksichtslosigkeit ist.

    H.

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