Boeing feiert Verkaufserfolge
Airbus trotz Rekordjahr kaum in Feierlaune

Obwohl der weltweite Luftverkehr im Jahr 2006 boomt kommen vom größten Europäischen Flugzeugbauer kaum positive Signale. Airbus ist mit seinem Flaggschiff A380 in die Krise geflogen.

HB HAMBURG. Produktionsprobleme beim Riesenjet, Führungswechsel, dazu Schwierigkeiten bei der A350, Angst um Arbeitsplätze - das europäische Unternehmen macht eine seiner schlimmsten Krisen durch. Konkurrent Boeing verbucht für die neue 787 Verkaufserfolge und feiert dank eines Großauftrages der Lufthansa den Durchbruch für die überarbeitete Jumbo-Version 747-8.

Paradox bei Airbus: So viele Flugzeuge wie 2006 hat der Hersteller noch nie ausgeliefert. Das Auftragsbuch ist ebenfalls prall gefüllt. Rund 400 Jets gehen 2006 an Kunden aus aller Welt, meist aus der erfolgreichen A320-Familie für Kurz- und Mittelstrecken. Den Erfolg des kleinen Jets dokumentiert auch eine Personalie aus der A380- Krise: Der bisher für die A320 verantwortliche Programmchef Mario Heinen übernahm die Leitung des A380-Programms. "Unter seiner Verantwortung erzielte die A320-Familie reibungslos Rekordergebnisse in der Serienfertigung", sagte der damalige Airbus-Chef Christian Streiff.

Die A380 nahm 2006 Kurs auf die Zulassung durch die Luftfahrtbehörden: Im März stellte Airbus beispielsweise mit der Rettung von 873 Menschen aus der A380 beim Evakuierungstest einen Rekord auf. Produktionsprobleme verzögern aber die Lieferung der Serienjets: Startkunde Singapore Airlines soll nun im Herbst 2007 die erste A380 bekommen. Trotz der Verspätung stornierte nur FedEx seinen Auftrag für A380-Frachter. Singapore Airlines bestellte im Juli weitere A380 nach. Mehrere andere Kunden für den Riesenjet stellten ebenfalls klar, dass sie weiterhin auf die A380 setzen.

Als Christian Streiff im Sommer den Airbus-Chefposten von Gustav Humbert übernahm, ahnte zunächst niemand, dass seine Amtszeit nur rund drei Monate dauern soll. Streiff forderte nach seinem Einstieg radikale Kurskorrekturen, neue Arbeitsstrukturen durch das Sanierungsprogramm "Power8" und präsentierte auf der Luftfahrtmesse in Farnborough die überarbeitete Version des mittelgroßen Langstreckenjets A350-XWB. Den ersten Entwurf hatten Kunden heftig kritisiert.

Die modifizierte A350 macht Boeing 787 und 777 Konkurrenz. Angesichts von mehreren hundert Bestellungen für die 787 muss Boeing jetzt zeigen, dass die ehrgeizigen Ziele auch erreicht werden. Die Fertigung beginnt, 2008 soll die 787 in den Dienst gehen. Der US- Hersteller setzt auf eine weltweit vernetzte Produktion. Mehrere 747- Riesenfrachter transportieren vorgefertigte 787-Segmente von Zulieferern nach Seattle zur Endmontage.

Rund ein Jahr nach Programmstart für die neue Boeing-747-Version folgte mit einem Lufthansa-Großauftrag der Durchbruch für das Passagierflugzeug. Die deutsche Gesellschaft bestellte Anfang Dezember 20 747-8 und setzt damit eine lange Tradition fort: Lufthansa betreibt seit Anfang der 70er Jahre die 747. Die neue 747-8 kann einerseits ältere 747-400 ersetzen, die das Unternehmen vor mehr als 15 Jahren übernahm. Andererseits schließt der Jet künftig die Lücke zwischen Airbus A340-600 und A380. "Die 747-8 unterstützt unsere Strategie der abgestuften und marktspezifischen Angebots- und Kapazitätsentwicklung", sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. "Sie ist passgenaue Ergänzung unserer Flottenstruktur im Interkontinental- Bereich und fügt sich zwischen der A380 mit rund 550 Sitzen und der A340-600 mit rund 300 Sitzen ein." Außerdem sichert das Unternehmen durch ausgewogene Einkaufspolitik seine Unabhängigkeit: Branchenriesen wie Lufthansa oder Air France betreiben seit Jahrzehnten gemischte Flotten aus Airbus - und Boeing - Maschinen. Nationale Präferenzen spielen auch aus anderen Gründen keine Rolle: Boeing-Jets sichern auch in Deutschland Arbeitsplätze. So ist zum Beispiel Lufthansa Technik seit Jahrzehnten ein weltweit führender Anbieter für Flugzeugwartung und kooperiert eng mit dem US- Unternehmen.

Die Verzögerungen bei Airbus kommentierte Boeing ohne Häme: Schließlich hat der Konzern mit dem Produktionsbeginn für die 787 und der 747-8 ebenfalls ein riesiges Arbeitspensum vor sich: "Wie wir selbst wissen, sind Flugzeuge an sich schon schwer zu bauen - und große Flugzeuge sind die schwierigsten", erklärte Boeing - Marketingvorstand Randy Baseler im Juni.

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