Börsenfusionen
Solo für die Deutschen

Euronext fusioniert mit der weltgrößten Börse New York Stock Exchange (Nyse). Zeitgleich hat sich die US-Technologiebörse Nasdaq bei der Londoner Börse (LSE) eingekauft und strebt eine Übernahme an. Weltweit schließen sich die Börsen zusammen. Nur Frankfurt verpasst den Anschluss.

FRANKFURT / PARIS. Es ist schon eine Tradition, wenn auch keine schöne. Trotz erneuten Rekordgewinns steht die Deutsche Börse im Fusionspoker auch am Ende dieses Jahres wieder ohne Partner da. Mit einem Unterschied gegenüber den Vorjahren: Die Konkurrenz hat geschafft, was den Frankfurtern erneut verwehrt blieb. Die aus Paris geführte Euronext - lange Frankfurter Wunschpartner - fusioniert mit der weltgrößten Börse New York Stock Exchange (Nyse). Zeitgleich hat sich die US-Technologiebörse Nasdaq bei der Londoner Börse (LSE) eingekauft und strebt eine Übernahme an.

Damit steht die Deutsche Börse weiter alleine da. "Erreichbare Übernahme- oder Mergerziele gibt es aus unserer Sicht kaum. So dürfte sich die Deutsche Börse weiter auf Kooperationen, wie etwa mit der Schweizer Börse SWX, konzentrieren", urteilt Bernd Müller-Gerberding, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank (HVB). Allerdings, so der Experte, könne Frankfurt vorerst auch allein weiterwachsen.

Schon im Jahr 2005 hatte der damalige Börsenchef Werner Seifert eine Übernahme der Londoner LSE versucht. Aber sein Werben um die "eiserne Lady", um LSE-Chefin Clara Furse, blieb vergeblich. Gegen den als dominant verschrienen Seifert mobilisierte die Finanzgemeinde in der Hauptstadt Großbritanniens alle Kräfte und zwang Seifert zum Rückzug. Mehr noch: Hedge-Fonds kauften sich in die Deutsche Börse ein. Am Ende standen die Ausschüttung der milliardenschweren Kriegskasse an die Aktionäre sowie die Demission Seiferts. Seit dieser Revolte, angeführt vom Hedge-Fonds TCI des Londoner Finanzjongleurs Chris Hohn, gehen Konzernmanager weltweit zuvorkommender mit den Fonds um.

Seifert-Nachfolger Francioni wollte es in diesem Jahr beim Werben um die Euronext besser machen. Um nicht wie sein Vorgänger in den Ruf des "europäischen Börsen-Bulldozers" zu kommen, verkündet er bis heute bei jeder sich bietenden Gelegenheit: "Übernahmen gegen ein Management machen keinen Sinn!" So richtig diese Taktik angesichts des Rufs der Frankfurter war - die Börse ist wegen ihres Erfolgs gleichermaßen geachtet wie gefürchtet -, so wenig scheint sie den Wunschpartner überzeugt zu haben. Euronext-Chef Jean-François Théodore warf sich lieber in die Arme der Nyse. Er setzt darauf, dass die ihm von den Amerikanern versprochene Unabhängigkeit des europäischen Teilkonzerns erhalten bleibt. Auch Befürchtungen, mit der Fusion könne auch die Macht der von vielen Firmen gefürchteten US-Finanzaufsicht SEC über den Atlantik kommen, wischte er beiseite. Unterstützt wurde er dabei von seinen amerikanisch geprägten Aktionären, die mit überwältigender Mehrheit dem Zusammenschluss zustimmten.

Unter dem Strich wiegen in Paris also nationale Befindlichkeiten gegenüber dem europäischen Nachbarland stärker als der Wunsch nach einem gemeinsamen europäischen Marktplatz. Ein echtes Eintreten der Politik für eine europäische Lösung war nicht zu erkennen.

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