Börsenneulinge
Bankers Freud, Anlegers Leid

Keine Frage, der deutsche Anleger ist kritischer geworden. Vorbei die Zeiten, als Privatleute ihren Anlageberater bedrängten, um bei scheinbar herausragenden Börsengängen berücksichtigt zu werden. Wer 2005 investiert hat, wollte genau wissen, wem er sein Geld zur Verfügung stellt.

HB FRANKFURT. Wie berechtigt das Misstrauen weiterhin ist, zeigt die Entwicklung der Börsenneulinge. Rund die Hälfte der 14 Novizen im Premium- Segment der Deutschen Börse, dem Prime Standard, erreichen heute bestenfalls das Niveau ihres Ausgabepreises. Nur mit wenigen ausgewählten Titeln ließ sich nach einem Börsengang überhaupt Geld verdienen. Das große Geld machten stattdessen diejenigen, die solche Geschäfte einstielen: Die Investmentbanken dürften nach ersten Schätzungen zwischen 400 und 420 Millionen Euro an Provisionen verdient haben. So viel wie seit fünf Jahren nicht mehr. Schließlich waren Emissionen in den Jahren seither Mangelware. Auf dem absoluten Tiefpunkt im Jahr 2003 fand nicht ein einziges Unternehmen den Weg an die Börse.

Als besonders erfreulich werten es Banker wie Investoren gleichermaßen, dass es inzwischen auch wieder größere Unternehmen mit einem Emissionsvolumen zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro an die Börse zieht. Beispiele in diesem Jahr waren der Bezahlsender Premiere und der Triebwerkhersteller MTU Aero Engines.

Zumindest Premiere hinkt allerdings noch immer den hoch gesteckten Erwartungen weit hinterher. Im März zu 28 Euro ausgegeben, fiel die Aktie in den vergangenen Tagen sogar unter den Wert von 13 Euro.

Dafür erfreute all das die Anleger, was in irgendeiner Weise nach Solarenergie aussah. Das rege Interesse an den Börsenneulingen Conergy, Q-Cells und Ersol glich dabei sogar der Euphorie, die einst am Neuen Markt herrschte. Rund 40-mal soll angeblich die Emission von Q-Cells überzeichnet gewesen sein, hieß es anschließend von Bankenseite.

Den größten Kurssprung seit der Erstnotiz machte jedoch kein Solarunternehmen, sondern Interhyp, deren Geschäftsmodell günstiger Baufinanzierungen über das Internet immense Steigerungsraten aufweist. Ende September zu 42 Euro ausgegeben, notiert die Aktie knapp ein Vierteljahr später über 75 Euro.

Schwerer wiegen hingegen die Verluste, die etliche andere Börsenkandidaten seither eingefahren haben. Besonders schlecht erging es dabei den Anbietern geschlossener Fonds. HCI Capital, Lloyds Fonds sowie die eine Stufe tiefer im General Standard gelistete Aktie des Finanzhauses Rothmann waren oder sind noch immer weniger wert, als sie bei der Ausgabe gekostet haben. Zumindest bei Lloyds Fonds hat sich das Blatt inzwischen zum Positiven gewendet.

Bemerkenswert im Emissionsjahr 2005 ist auch, dass eine Vielzahl von kleineren Gesellschaften nach langer Zeit wieder einmal den Weg an die Börse geschafft hat. Insgesamt 25 Unternehmen ließen sich im bislang kaum reglementierten Freiverkehr listen. So viele Neuzugänge hat es dort noch nie gegeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%