Böschung hinuntergestürzt
Fünf Tote bei Linienbus-Unfall in NRW

Bei einem Busunfall im oberbergischen Radevormwald sind am Dienstag fünf Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Unfall wurden sieben Menschen verletzt, einer davon schwer. Unter den Toten ist auch der 45 Jahre alte Busfahrer.

HB RADEVORMWALD. Es ist etwa 11.50 Uhr, als der Linienbus 626 eine Haltestelle an der kurvigen Landstraße in Radevormwald verlässt. Kurz darauf passiert es: Zeugenaussagen zufolge wird der Bus auf der abschüssigen Strecke immer schneller. In einer Linkskurve durchbricht er mit zwölf Menschen an Bord die Leitplanke, stürzt die Böschung hinab, überschlägt sich, bleibt schließlich auf der Seite - halb im Wasser - liegen.

Die rund 150 Einsatzkräfte kommen bei der Bergung der Opfer nur mühsam voran. Die Böschung ist steil und zudem mit Bäumen bewachsen. Fünf Menschen können nur noch tot geborgen werden. Mehrere Stunden lang bleibt unklar, ob unter dem Wrack noch Opfer begraben liegen. Zumindest diese Befürchtung zerstreut sich, als die Feuerwehr am Nachmittag den Bus mit einem Kran auf die Räder stellen kann. Zwar suchen Taucher vorsichtshalber noch den Fluss ab, doch die Polizei glaubt nicht, dass es noch weitere Tote gibt.

Viele Einwohner der Kleinstadt eilen an den Unglücksort, als sie von der schlimmen Nachricht hören. "Ich bin sofort hergekommen. Ich habe Angst, dass meine Cousine und mein Cousin in dem Bus waren", sagt eine Frau verzweifelt. "Das ist eine gefährliche Straße, vor allem in der Kurve hier und wenn es nass ist", meint ein Mann, der in der Nähe wohnt. Bürgermeister Josef Korsten widerspricht: "Ich fahre diese Strecke selbst fast jeden Tag und halte sie bei normalem Fahren für ungefährlich." Ihm sei nicht bekannt, dass es an der Stelle in der Vergangenheit schon einmal einen schweren Unfall gab. Die Polizei bestätigt das: Die Strecke sei nicht unfallträchtig.

Alija Aganovic ist selbst Busfahrer, auch auf dieser Strecke. Heute ist er nur zufällig mit dem Auto hier entlang gekommen. "Das ist schlimm. Ich weiß nicht, welcher Kollege das war", sagt er erschüttert. Notfallseelsorger sind gekommen, um Angehörige zu betreuen. Eine Sprecherin des Busunternehmens will zu dem Unfall und zum Fahrer keine Angaben machen.

In der 25 000-Einwohner-Stadt Radevormwald rund 50 Kilometer nordöstlich von Köln weckt der Unfall bei Älteren Erinnerungen an ein verheerendes Zugunglück im Mai 1971. Damals starben 46 Menschen bei der Rückkehr von einem Schulausflug. Unter den Toten waren 41 Kinder aus der Kleinstadt.

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