Bohrungen in Deutschneudorf
Auf der Suche nach dem Nazigold

Im sächsischen Deutschneudorf haben Experten die Suche nach einem Goldschatz aus der NS-Zeit aufgenommen. Fast zwei Tonnen Gold sollen dort im Boden verborgen sein. Wird das Edelmetall gefunden, müssen die Schatzsucher auf staatliche Großzügigkeit hoffen.

HB DEUTSCHNEUDORF. Auf der Suche nach einem riesigen Goldschatz aus der NS-Zeit haben Experten im sächsischen Deutschneudorf mit den systematischen Bohrungen begonnen. „Wir wollen bis zu dem Hohlraum vordringen, in dem der rund 1,9 Tonnen große Schatz liegen soll“, sagte der Bürgermeister von Deutschneudorf, Hans-Peter Haustein. Dazu würden von dem beauftragten Unternehmen Bergsicherung Schneeberg im Abstand von einem Meter Bohrungen in zehn Metern Tiefe nach dem Rasterverfahren eingebracht.

Bei einer der Bohrungen war eine Wasserfontäne ausgetreten und rasch wieder versickert. Haustein wertete das als ein gutes Zeichen, auch wenn der Zugang zunächst noch nicht gefunden worden war. Mit einem Erfolg rechne er am Dienstag noch nicht, sagte Haustein. Für ein Bohrloch werde etwa eine Stunde benötigt. Man gehe ohne Zeitdruck vor. Sobald man so weit sei - das könne auch in der nächsten Woche sein -, werde man mit einer Kamera den Gang nach dem Goldschatz absuchen, sagte Haustein.

Bei vorangegangenen Untersuchungen mit einem Spezialgerät war Metall geortet worden. „Eisen kann es nicht sein, der Computerausdruck verwies eindeutig auf Gold“, hatte Haustein erklärt. Die entsprechenden Koordinaten hatte der Schleswig-Holsteiner Christian Hanisch nach Unterlagen seines verstorbenen Vaters Paul Hanisch ermittelt, der als Funker und Navigator dabei geholfen haben soll, „kleine, aber sehr schwere Kisten“ von der Schorfheide bei Berlin zu einem Behelfsflughafen in der Nähe von Deutschneudorf zu fliegen, sagte Christian Hanisch.

„Diese Koordinaten, die aus dem Zweiten Weltkrieg stammen, können durchaus zehn bis 20 Meter abweichen. Deshalb wollen wir das Gebiet systematisch abbohren“, erklärte der ehrenamtliche Bürgermeister und FDP-Bundestagsabgeordnete. Haustein ist überzeugt, dass die Nazis in den Wirren des Kriegsendes 1945 zahlreiche Kulturgüter vor der heranrückenden Roten Armee in der Nähe von Deutschneudorf versteckt haben.

Haustein sucht bereits seit rund zehn Jahren nach dem legendären Bernsteinzimmer. Jetzt hofft er, möglicherweise auch Spuren zu diesem legendären Kunstwerk zu finden. Vielleicht fänden sich auch kostbare, längst verschollen geglaubte Gemälde, die sich der Oberbefehlshaber der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, Hermann Göring, angeeignet haben soll.

„Seit dem Zweiten Weltkrieg fehlen Kunstschätze im Wert von rund zwei Billionen Reichsmark“, betonte Haustein, der selbst nach eigenen Angaben rund 10 000 Euro in die Schatzsuche investiert hat. Hanisch sagte, er habe sogar rund 100 000 Euro eingesetzt. Wenn die Schätze gefunden würden, dass gehörten sie dem Staat. Die Schatzsucher hoffen aber auf eine Entschädigung oder auf Finderlohn, falls sie erfolgreich wären.

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