Brand-Tragödie in den Niederlanden
Elf Tote im Amsterdamer Flughafengefängnis

Bei einem Brand im Gefängnis auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol sind in der Nacht zum Donnerstag elf illegale Einwanderer ums Leben gekommen. Inzwischen sind schwere Vorwürfe gegen das Wachpersonal der Haftanstalt laut geworden, in der 300 Personen einsitzen.

HB AMSTERDAM. In dem Flammenmeer wurden außerdem 15 Menschen verletzt, vier von ihnen - ebenfalls Ausländer - mussten im Krankenhaus bleiben, einer in kritischem Zustand. Um kurz nach Mitternacht loderten die Flammen aus dem Zellenkomplex am Ostrand des riesigen Flughafengeländes. Mit 60 Leuten kämpfte die Feuerwehr drei Stunden lang gegen den Brand.

Wie das Feuer entstand, blieb zunächst völlig unklar. Doch schon wenige Stunden nach der Katastrophe tauchten Zweifel an den Sicherheitsvorkehrungen in dem vor drei Jahren eilig aufgebauten Flughafengefängnis auf. So gibt es für das Gebäude keine Einrichtung, mit der die Zellen im Notfall zentral und gleichzeitig geöffnet werden können. Auch in dieser Feuernacht mussten die Wärter jede Zellentür einzeln entriegeln.

Ein Häftling beschuldigte das Wachpersonal, den Brand zunächst heruntergespielt zu haben. „Uns schmerzten schon die Kehlen, aber sie sagte, es sei nichts“, berichtete der Mann. Häftlinge hätten gegen Zellentüren getreten und seien in Panik geraten. Justizminister Piet Hein Donner, unter dessen Aufsicht das Gefängnis fällt, bescheinigte den Rettungskräften, sie hätten alles getan, was sie konnten. Gleichwohl sagte ein Sprecher des Ministeriums, die Polizei gehe Vorwürfen nach, die Wärter hätten die Brandmeldungen zunächst nicht ernst genommen und unter den Insassen damit eine Panik ausgelöst.

Mehrere Häftlinge flohen nicht nur vor dem Inferno, sondern suchten gleich ganz das Weite. Drei von ihnen liefen noch in der Nacht der Polizei in die Arme. Justizminister Donner teilte am Mittag mit, es würden noch acht Insassen vermisst. Es sei aber unwahrscheinlich, dass es noch mehr Tote gebe. Die für ihre strenge Einwanderungspolitik bekannte Ausländer-Ministerin Rita Verdonk sprach den Angehörigen der Brandopfer ihr Mitgefühl aus und sprach von einem „traumatischen Ereignis“. Entsetzt reagierte auch Ministerpräsident Jan Peter Balkenende: „Ich bin erschrocken über das Ausmaß dieser Katastrophe“, sagte er.

Das Flughafengefängnis war 2002 in kurzer Zeit aus Fertigbauteilen errichtet worden. Die Niederlande erlebten damals eine Invasion von Drogenkurieren, die mit meistens verschluckten Rauschgiftpäckchen über den Flughafen Schiphol kamen. Für diese „bolletjesslikkers“ (Kügelchen-Schlucker) wurden dringend Haftzellen benötigt. Aber auch illegale Immigranten und Abschiebehäftlinge sitzen in dem Gefängnis ein.

Das nationale Brandschutz-Institut hatte nach einem ersten Feuer kurz vor der Inbetriebnahme der Anstalt Ende 2002 Empfehlungen zur Erhöhung der Sicherheit gemacht. So sollten unter anderem die Wände der Zellen für einen besseren Brandschutz verstärkt werden, sagte ein Sprecher. Es gehörte jedoch nicht zu den Aufgaben des Instituts, die Umsetzung dieser Empfehlungen zu kontrollieren. Eine unabhängige Überprüfung aller Vorgänge kündigte Michel Bezuijnen an, der Bürgermeister der Gemeinde Haarlemmermeer, zu der Schiphol gehört. Sein Stellvertreter bestätigte, dass es schon mehrfach in dem Gefängnis gebrannt hat. Beim letzten Mal sei ein technisches Problem die Ursache gewesen.

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