Brandgefahr steigt - Run auf Bäder
„Michaela“ heizt Deutschland weiter ein

Hoch „Michaela“ heizt Deutschland mit Temperaturen von fast 40 Grad weiter auf. In vielen Bundesländern steigt nach wochenlanger Trockenheit die Waldbrandgefahr. In einigen Regionen wurde am Dienstag sogar die höchste Alarmstufe ausgerufen. Dagegen hat sich in Südeuropa die Lage leicht entspannt: In Portugal und Spanien konnten viele Feuer unter Kontrolle gebracht werden.

HB/dpa HAMBURG/OFFENBACH/BOCHUM. Am heißesten wurde es in Deutschland laut Meteomedia am Dienstag in Mühlacker (Baden-Württemberg) mit 38,9 Grad. Eine Wetteränderung sei frühestens in einer Woche möglich, sagte Meteorologin Marilott Grosch vom Deutschen Wetterdienst. Bis dahin bleibt es tagsüber zwischen 25 Grad an der See und 38 Grad am Oberrhein warm.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium warnte vor der Brandgefahr und appellierte an alle Waldbesucher, sich besonders vorsichtig zu verhalten. Während im vorigen Jahr insgesamt 513 Waldbrände gemeldet wurden, zählten die Behörden 2003 schon im ersten Halbjahr mehr als 500 Brände. Allein in Brandenburg wurden über 300 Feuer registriert.

Brände und Hitze haben in Portugal und Spanien am Dienstag weitere acht Menschen das Leben gekostet. In Spanien starben am Dienstag sechs Menschen an den Folgen eines Hitzschlags. Die Zahl der Hitzeopfer seit dem Wochenende stieg damit auf 13. In Portugal kamen bei Waldbränden erneut zwei Menschen um - zwölf Menschen sind bislang bei der seit zehn Tagen wütenden Feuersbrunst ums Leben gekommen.

Nach Angaben der Feuerwehr wurde in Portugal der größte Teil der Brände eingedämmt. neun der 50 Feuer seien nicht unter Kontrolle. Nach neuesten Schätzungen vernichteten die Flammen 540 Quadratkilometer Wald- und Buschland - mehr als die Gesamtfläche der Stadt Bremen. Auch in Spanien sind die meisten Brände eingedämmt. In Westspanien hatten die Feuer 8000 Hektar Wald- und Agrarland zerstört. In sechs Provinzen Spaniens kämpften Löschmannschaften weiter gegen die Feuer.

Die portugiesische Regierung hat wegen der Brände die Europäische Union um Finanzhilfe gebeten. Das teilte ein Sprecher der EU- Kommission in Brüssel mit. Die EU-Kommission entscheidet über die Vergabe von Mitteln aus dem EU-Solidaritätsfonds.

Feuerwehrleute, Soldaten und freiwillige Helfer hatten die Brände in Kanada am Montag vorübergehend unter Kontrolle gebracht, so dass 3000 Menschen wieder in ihre Häuser zurückkehren konnten. Begünstigt durch die Trockenheit entstanden am Dienstag 13 neue Feuer. Eine Besserung der Lage könnte nach Meinung der Provinzregierung von British-Columbia nur eintreten, wenn es mehrere Tage hintereinander regnet. Bei Temperaturen um 35 Grad soll es aber trocken bleiben.

Die über Deutschland liegende Backofenhitze treibt Hunderttausende ins Freie - viele suchen Abkühlung in einem der 3200 Freibäder. Doch trotz des Runs können sich viele Bäder finanziell gerade so über Wasser halten, wie eine dpa-Umfrage ergab. Während sich Heimaturlauber über den Supersommer freuen und in die Fluten stürzen, verflucht mancher seinen heißen Arbeitsplatz. „Hitzefrei“ ist nicht drin, ergab eine dpa-Umfrage. Die meisten Arbeitgeber sind nur zu kleinen Zugeständnissen bereit: Mehr Pausen und kostenlose Getränke sollen die Arbeitszeit erträglich machen. Ein Recht auf „hitzefrei“ gibt es nicht, stellte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt klar.

Außer Arbeitnehmern leiden auch Tiere und Pflanzen unter der Gluthitze. Vielerorts sind Stadtbäume bedroht, da die Kommunen mit dem Gießen nicht mehr nachkommen, berichtete die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Im Rhein und am Bodensee droht wegen des niedrigen Wasserstandes und des geringe Sauerstoffgehalts ein Aalsterben.

Den Menschen wiederum machen hohe Ozonwerte in den Innenstädten zu schaffen. Den Spitzenwert ermittelte das Umweltbundesamtes am Montag in Baden-Baden: Er lag mit 265 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft um 85 Mikrogramm über dem Schwellenwert, von dem an gewarnt wird. Wegen der Hitze musste die Leistung von sechs Atomkraftwerken gedrosselt werden, um das Wasser der Flüsse durch zurückgeleitetes Kühlwasser der Reaktoren nicht zu stark zu erhitzen.

Die Hitze hat das Mittelmeer ungewöhnlich aufgewärmt. Wie das spanische Zentrum für Mittelmeer-Umweltstudien am Dienstag mitteilte, wurden an der spanischen Ostküste Temperaturen bis zu 29 Grad gemessen - vier Grad über der normalen Temperatur in dieser Jahreszeit.

Die Mailänder Polizei hat bei 40 Grad Hitze einen Säugling aus dem Auto gerettet. Das Kind wurde völlig entkräftet ins Krankenhaus gebracht. Wie italienische Medien berichteten, hatten die Eltern das Neugeborene bei geschlossenen Fenstern in der Sonne im Auto gelassen.

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