Braunbär
Bruno streifte an Polizeiwache vorbei

Die Streifzüge von Braunbär Bruno werden immer gefährlicher. Am Wochenende streunte das zwei Meter große Tier mitten durch den oberbayerischen Kurort Kochel am See und erschreckte mehrere Menschen. Das bayerische Umweltministerium drang daher auf eine Lösung binnen einer Woche.

HB KOCHEL. „Dieser Bär muss schnell aus aus der freien Wildbahn genommen werden, weil er ein potenzielles Risiko ist“, sagte der Leiter der Naturschutzabteilung, Christoph Himighofen, am Sonntag.

Der Bär war in der Nacht zum Samstag mitten in Kochel zunächst einem Spaziergänger begegnet, der seinen Hund ausführte. Um dem nur 20 Meter entfernten Wildtier auszuweichen, ging der Mann um ein Haus herum, wie das Ministerium mitteilte. Weil aber der Bär dasselbe tat, begegneten sich die beiden erneut und liefen in etwa 70 Metern Abstand aneinander vorbei. Der Bär prallte danach gegen einen Drahtzaun und sprang „aus dem Stand“ eine mehr als zwei Meter hohe Felsmauer hoch. Eineinhalb Stunden später sahen ihn Einwohner vom Balkon aus, wie er sich vor die Polizeiwache von Kochel setzte und dann in Richtung Wald trollte. „Das klingt lustig. Es kann aber auch mal nicht lustig ausgehen“, sagte Himmighofen.

Anschließend riss Bruno in einem Stall einen Hasen und ein Meerschweinchen und brach einen Bienenstock auf. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Berichte, wonach er in der Nacht zum Sonntag auf einer Alm im 25 Kilometer entfernten Achenkirch in Österreich aufgetaucht sei, bestätigten sich zunächst nicht. Man habe vor Ort keinerlei Hinweise auf das Tier gefunden, sagte der Bärenbeauftragte des Ministeriums, Manfred Wölfl.

Die Behörden setzen nun alles auf das finnische Suchteam. Am Sonntag traf ein fünfter Bärenjäger mit dem laut Umweltministerium besten Bärensuchhund Finnlands in Bayern ein. Das Team, zu dem ein Tierarzt mit einem Narkosegewehr gehört, war dem Bären seit Freitagabend auf der Spur, die Hunde hatten die Witterung aber wegen starken Regens am Samstag verloren. Das derzeitige feucht-schwüle Wetter sei aber optimal für die Suche, teilte das Ministerium mit.

Für Bruno wird es enger

Nach Ansicht Wölfls zeigt Brunos Flucht, dass er Respekt vor Menschen hat. Dennoch sei das Tier ein Risiko, weil es im Siedlungsraum Futter suche und jetzt wieder eine positive Erfahrung gemacht habe. „Das ist erschreckend“, sagte der Experte. Man müsse jetzt überlegen, wie lange die Fangversuche weitergehen könnten: „Es wird enger für ihn.“ Idealerweise sollte der Bär mit dem Betäubungsgewehr außer Gefecht gesetzt und zum Wildpark Poing bei München transportiert werden.

Himighofen sagte, bisher sei es oberste Priorität gewesen, ihn zu fangen. Nun müsse man möglichst schnell zu einer Lösung kommen: „Das heißt, den Bären aus der Natur nehmen“. Über weitere Schritte wolle man am (morgigen) Montag beraten.

Bruno, der eigentlich JJ1 heißt und aus aus einem Ansiedlungsprojekt in Norditalien stammt, streunt seit gut einem Monat durchs bayerisch-österreichische Grenzgebiet. Bisher hat er zahlreiche Schafe und andere Kleintiere gerissen. Die Jagd auf den „Problembären“ hat den WWF bereits mehr als 100.000 Euro gekostet. „Damit ist der Jahresetat des österreichischen Bärenschutzprogramms gesprengt“, sagte die WWF-Expertin Beate Striebel der „Bild am Sonntag“.

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