Braunbären in Bayern und Frankreich
Betäubungsgewehre statt Patenschaft

Bayern gegen JJ1 geht in die zweite Runde. Mit Röhrenfalle, Betäubungsgewehren und Hunden will die Landesregierung dem Braunbär ans Fell. Die Franzosen behandeln ihre Braunbären pfleglicher: Inzwischen setzten sie den vierten in den Pyrenäen aus – unterstützt von prominenten Paten und angefeindet von radikalen Bärengegnern.

HB MÜNCHEN/PARIS. Der Braunbär „JJ1“ im österreichisch-bayerischen Grenzgebiet soll von finnischen Experten mit Bärenhunden aufgespürt und eingefangen werden. Das hat Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) am Donnerstag in München angekündigt. Nachdem die Fangversuche mit der Röhrenfalle keinen Erfolg gehabt hätten, müsse das Vorgehen umgestellt werden. Bei einem Team von finnischen Bärenexperten, die mit einem Betäubungsgewehr arbeiten, sei bereits ein Konzept angefordert worden, sagte Schnappauf auf Anfrage der dpa in München.

Ein Bären-Workshop in München habe am Mittwoch die Auffassung der bayerischen Behörden bestätigt, wonach es sich um einen Problembären handele. Denn nach neuen Auskünften aus Italien, dem Herkunftsland von „JJ1“, sei das Tier auch dort rund 20 Mal in Ställe und menschliche Siedlungen eingedrungen. Das mache den Bären wegen eines möglichen unkalkulierbaren Zusammentreffens mit einem Schaf- oder Hühnerhalter gefährlich, bekräftigte Schnappauf. „Das Tier muss deshalb aus der freien Wildbahn heraus.“ Bayern bleibe bei seiner Doppelstrategie des Einfangens oder als Ultima Ratio auch des Abschusses.

Auf der Suche nach Meister Petz

Die inzwischen rund zwei Dutzend Fangversuche mit der Röhrenfalle hätten keinen Erfolg gehabt, weil der Bär nie an einen Platz zurückkehre, wo er ein anderes Tier gerissen habe. Normalerweise kehrten Bären an diese Orte zurück und würden dann weiter von der gerissenen Beute fressen. Wegen des ungewöhnlichen Wandertriebs von „JJ1“ scheide auch ein Fangversuch mit Schlingen aus. „Die Experten empfehlen deshalb, zu einem aktiven Aufspüren des Bären überzugehen.“ Er sei im Gespräch mit dem zuständigen Tiroler Landesrat Anton Steixner, um möglichst eine gemeinsame Vorgehensweise zu vereinbaren, sagte Schnappauf. „Auch die finanziellen und rechtlichen Fragen zu den neuen Fangversuchen müssen noch geklärt werden.“

Schnappauf hat auch beim Münchner Tierparkdirektor Henning Wiesner ein Konzept angefordert. Dieser hatte ebenfalls vorgeschlagen, den Bären mit Hunden aufzuspüren, ihn dann aber mit einer Narkosespritze aus einem Blasrohr zu betäuben und zu fangen. Wiesner will sich an einer Fangaktion aber nur beteiligen, wenn der Bär anderswo wieder in Freiheit entlassen wird. Die bayerischen Behörden wollen „JJ1“ nach einem erfolgreichen Fangversuch jedoch in einem sicheren Gehege in einem Wildpark unterbringen. Schnappauf steht auch mit seinen italienischen Kollegen im Gespräch, ob der Bär - mit einem Sender versehen - in seinen Herkunfts-Naturpark in Südtirol zurückgebracht werden kann.

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