Braunkohle
Warum Nachterstedt das Rheinland alarmiert

Wenn die Braunkohle im Rheinland abgebaggert ist, soll ein See entstehen. Die Anwohner schlagen Alarm. Nach dem Erdrutsch in Sachsen-Anhalt haben sie neue Argumente.

HEPPENDORF. Es ist ein müder Montagabend im "Goldenen Schuss" im rheinischen Heppendorf. Ein Alter hockt an der Theke, vier Junge kauern an einem Tisch bei Wiener Schnitzel und Toast Hawai. Die Sätze fallen spärlich.

Es wird lebhafter, als sich der hintere Saal füllt. Ein Dutzend Anwohner kommt zusammen, die Wut über den Braunkohletagebau hier in ihrer Heimat westlich von Köln bringt sie an einen Tisch.

Sie haben hier schon oft über die Schäden an ihren Häusern gesprochen, über den Konzern geklagt, der nach Kohle baggert und sich nicht um die Sorgen der Menschen schert. Sie haben gepoltert und geschimpft. Erreicht haben sie kaum etwas. Aber das war vor Nachterstedt, vor dem verheerenden Unglück, das Menschenleben kostete.

Am Samstag ist in einem ehemaligen Braunkohlerevier in Sachsen-Anhalt eine sechs Fußballfelder große Fläche in einen See gerutscht. Die Erdmassen haben ein Haus in die Tiefe gerissen und vermutlich ein Ehepaar und einen Mann begraben. Ganz Nachterstedt fürchtet weitere Erdrutsche. Im "Goldenen Schuss" und in der Umgebung bangen die Menschen mit. Sie leben in Deutschlands größtem Braunkohlerevier. Sie sind jetzt stärker alarmiert denn je, nach dem Drama von Nachterstedt, fühlen sich aber auch in ihren Sorgen bestätigt. Lange wollte ihnen niemand glauben, wenn sie vor den Risiken des Tagebaus warnten. Vielleicht ändert sich das.

An diesem Abend wollen sie einen Verein gründen, der für die Interessen von Tagebau-Geschädigten eintritt. Sie wollen schlagkräftiger, durchsetzungsfähiger werden.

Experten geben ihnen gute Argumente an die Hand. "Wegen der Dimensionen der rheinischen Braunkohletagebaue ist die Gefahr von Erdrutschen hier sogar wesentlich größer als in Ostdeutschland", sagt Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Der Betreiber RWE Power verharmlose die Gefahren.

Das Unternehmen weist das zurück: Es gebe keine Übertragbarkeit zwischen dem, was in Nachterstedt passiert sei, und den Gegebenheiten im rheinischen Braunkohlerevier. "Da brauchen Sie nichts zu befürchten", beruhigt ein Sprecher von RWE Power. Es gebe hier Sicherheitspuffer. Erdbewegungen würden überwacht.

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