Brisanter Mordfall
Deutscher Häftling in den USA fordert Auslieferung

Ein Mordfall aus den 80er Jahren ist bis heute umstritten. Ein wegen Doppelmordes verurteilter Deutscher kämpft um seine Auslieferung aus den USA - bisher vergeblich. Jetzt ist der Fall wieder vor Gericht.
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WashingtonDer in den USA wegen Doppelmordes verurteilte Deutsche Jens Söring, der für eine Auslieferung in seine Heimat kämpft, muss noch etwas auf eine Entscheidung warten. Nach einer Anhörung am Dienstag im US-Staat Virginia kündigte Richterin Beverly Snukals einen Beschluss innerhalb der nächsten zwei Wochen an. Folgt sie dem Antrag Sörings, der seit 1990 in den USA eine zweimal lebenslange Haftstrafe verbüßt, würde die letzte Entscheidung bei Justizminister Eric Holder liegen. Das teilte der amerikanische Anwalt des Häftlings, Steven Rosenfield, der Nachrichtenagentur dpa mit.

Bei der Anhörung vor dem zuständigen Bezirksgericht in Richmond ging es darum, die von Virginias früherem demokratischen Gouverneur Tim Kaine erlaubte Auslieferung des 45-Jährigen nach Deutschland einzufordern. Kaines republikanischer Nachfolger Bob McDonnell hatte den in die Wege geleiteten Prozess vor gut zwei Jahren sofort nach seiner Wahl mit einem Brief an das US-Justizministerium wieder gestoppt.

Diesen Rückzieher hält Sörings Verteidigung für rechtswidrig. Es liegt nun in den Händen von Richterin Snukals, McDonnells Maßnahme aufzuheben und den Fall zur endgültigen Entscheidung an Holder zu verweisen oder es bei dem Schritt des Republikaners zu belassen.

Söring war in einem Prozess für schuldig befunden worden, 1985 mit seiner damaligen amerikanischen Freundin Elizabeth deren Eltern umgebracht zu haben. Er sitzt deshalb im Buckingham Correctional Centre ein, nach Rosenfields Angaben wurde ein Antrag auf Freilassung auf Bewährung bereits sechsmal abgelehnt. Die Frau, die ihn zum Mord angestiftet haben soll, wurde wegen Mittäterschaft zu 90 Jahren Haft verurteilt. Sie hatte in dem Verfahren auch gegen Söring ausgesagt.

Söring, der zum Zeitpunkt des Doppelmordes 19 Jahre alt war und als Stipendiat an der Universität in Virginia studierte, hatte damals ein Geständnis abgelegt, das er später widerrief. Bis heute beteuert er seine Unschuld. Zwischenzeitlich seien durch eine Untersuchung von DNS-Spuren an dem Tatort weitere Zweifel an seiner Schuld aufgetaucht, hieß es in örtlichen Medienberichten.

Im vergangenen Jahr hatte sich der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), für Söring stark gemacht. Nach dem deutschen Rechtsverständnis habe er seine Strafe seit vielen Jahren verbüßt, sagte er damals.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Tat war 1985. Das ist 27 Jahre her.
    Ich bin etwas erstaunt zu hören, das die Strafe für Doppelmord in Deutschland "schon seit vielen Jahren" gesühnt wäre.

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