Briten fordern Freilassung
Gnade für den legendären Posträuber Biggs

Ronnie Biggs ist eine lebende Legende. Jahrzehntelang entzog sich der Postzugräuber von 1963 der britischen Justiz, bis er sich 2001 schließlich stellte und inhaftiert wurde. Heute ist der 77-Jährige schwer krank. Tausende Briten unterstützen nun eine Petition für seine vorzeitige Haftentlassung.

HB LONDON. Sie hofften auf eine Begnadigung des schwerkranken 77-Jährigen durch Königin Elizabeth II., teilten die Anwälte von Biggs am Samstag mit. Für eine Freilassung „aus Mitgefühl“ des zu 30 Jahren Haft Verurteilten hätten sich bislang fast 7000 Menschen in Briefen ausgesprochen, die den Anwälten vorlägen. Ein entsprechender Antrag sei beim Justizministerium eingebracht worden.

Biggs war Anfang Juli aus dem Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in eine normale Haftanstalt in der südostenglischen Stadt Norwich verlegt worden. Die Strafvollzugsbehörde hatte zur Begründung erklärt, er leide an den Folgen von Schlaganfällen. Auch Biggs' Sohn Mike forderte die Freilassung: „Mein Vater kann kaum noch laufen, er wird nie wieder sprechen, er kann nicht allein essen, trinken, lesen oder schreiben, aber er gilt immer noch als Gefahr für die Gesellschaft.“

Der Räuber sitzt seine Haftstrafe für seine Rolle bei dem spektakulären Überfall auf den Nachtzug von Glasgow nach London im August 1963 ab. Er galt als einer der führenden Köpfe des Verbrechens, bei dem 15 Gangster mit Postsäcken entkamen, die Geldscheine im heutigen Wert von umgerechnet etwa 50 Mill. Euro enthielten.

Die meisten Posträuber waren schon bald gefasst worden. Biggs gelang jedoch nach 15 Monaten der klassische Ausbruch: Mit einer Strickleiter seilte er sich an der Gefängnismauer ab. In Paris ließ er von einem Chirurgen sein Gesicht verändern und flüchtete dann über Australien nach Brasilien. Erst 2001 kam er nach einem Schlaganfall im Alter von 71 Jahren nach Großbritannien zurück und stellte sich der Justiz. Der Verbleib der Beute ist nie ganz geklärt worden.

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