Briten sollen sich ab Mittwochmorgen vor Ölraffinerien des Landes versammeln
Panik mit System an britischen Tankstellen

Auch die britischen Autofahrer stöhnen unter den steigenden Benzinpreisen. Nun will die Organisation „Fuel Lobby“ mit bewährten Blokadeaktionen den Schatzkanzler zwingen, die Benzinsteuer zu senken. Allein die Ankündigung sorgt für Hamsterkäufe und Chaos an den Tankstellen.

LONDON. Wie aus dem Nichts bilden sich die Autoschlangen an der Tankstelle des Asda Supermarkts in Park Royal in London. „Ich sah die Autos, da wollte ich zur Sicherheit gleich auffüllen“, sagt ein Autofahrer. „Lokale Radiostationen verschlimmern die Sache“, schimpft Ray Holloway vom Tankstellenverband PRA. „Sie fordern die Hörer auf, Schlangen vor Tankstellen zu melden.“ Holloways Versicherung, das Land habe Treibstoff für drei Monate, nützten nichts. Hunderte von Tankstellen hatten am Dienstag kein Benzin mehr. In Dudley in den West Midlands tankte ein Lastwagenfahrer 898 Liter Diesel und legte so eine Tankstelle trocken.

Die Treibstoff-Industrie warnte vor Panikkäufen. Dadurch würden nur unnötige Versorgungsengpässe geschaffen. Dennoch hatten nach Zeitungsberichten am Dienstag mehr als 3000 Tankstellen, etwa ein Drittel aller Tankstellen in Großbritannien, ihre Vorräte ausverkauft. Vereinzelt hätten Tankstellenbesitzer die Notlage ausgenutzt und die Preise weiter angehoben, berichtete „The Times“. In einigen Teilen Großbritanniens war der Preis für einen Liter Normalbenzin am Dienstag auf mehr als ein Pfund (1,50 Euro) gestiegen.

Die Panik hat System. Seit Tagen droht die britische „Fuel Lobby“ mit neuen Benzinpreisdemonstrationen. Schon die Drohung genügt, das fein balancierte Auslieferungssystem der Ölfirmen durcheinander zu bringen. Von Mittwoch bis Freitag sollen die Demos laufen. „Friedliche Proteste“, betont Andrew Spence von dem losen Demonstrantenverband. „Aber wenn die Tankwagenfahrer nicht aus den Raffinerien fahren wollen, können wir auch nichts machen.“

Genau so legten Demonstrationen im September 2000 Großbritannien lahm und zwangen Schatzkanzler Gordon Brown, geplante Benzinsteuererhöhungen zurückzunehmen. Im letzten Jahr genügte die bloße Andeutung eines Protests, um ein weiteres Anziehen der Steuerschraube zu verhindern.

Nun soll Brown die Steuern um zehn Prozent senken, fordern die Lobbyisten – so wie Belgien und Frankreich, die mit Steuerrabatten den Preisschock dämpfen. „Polen senkt Benzinsteuern“, berichtet die Webseite „Less Tax on Fuel“ und erklärt: „Wer für 50 Pfund tankt, gibt der Regierung 37 Pfund“. Britische Tankstellenpreise sind nach den Niederlanden die höchsten in Europa. Heute liegen sie 40 Prozent über dem Vorjahresstand. Die Ölpreise haben die Inflationsrate auf 2,4 Prozent getrieben – den höchsten Stand seit Labours Amtsantritt 1997, so am Dienstag das Nationale Statistikamt.

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