Bruchlandung von San Francisco
Crash-Piloten flogen zum ersten Mal gemeinsam

Zwar ist die Ursache für den Flugzeugcrash in San Francisco weiter unklar. Aber immer neue Details werfen kein gutes Bild auf die Asiana Airlines und die Piloten. Der Imageschaden für die Linie ist schon jetzt gewaltig.
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San FranciscoDie verantwortlichen Piloten der Boeing 777 von Asiana Airlines, die in San Francisco eine Bruchlandung hatten, befanden sich auf ihrem ersten gemeinsamen Flug. Dies teilte die Chefin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Deborah Hersman, am Dienstag in San Francisco mit. Vier Piloten an Bord der Unglücksmaschine werden seit Montag zum Hergang des Unglücks befragt.

Hersman zufolge befand sich einer der drei Piloten im Cockpit in der Ausbildung für die Steuerung einer Boeing 777, er hatte mit 43 Stunden etwa ein Fünftel des 250 Stunden umfassenden Programmes absolviert gehabt. Die Landung in San Francisco sei seine erste mit einer Maschine dieses Typs überhaupt gewesen. Das Kommando über den Flug hatte ein erfahrener Pilot, der als Ausbilder fungierte, diese Rolle allerdings wiederum zum ersten Mal ausfüllte. Ein dritter Pilot war im Cockpit auf einem Rücksitz, der vierte saß im Passagierbereich.

Der Ausbilder und sein Schüler waren auf ihrem ersten gemeinsamen Trainingsflug. Dem verantwortlichen Piloten zufolge stellte er beim Landeanflug in einer Höhe von rund 150 Metern fest, dass die Maschine zu niedrig und zu langsam war. Er hätte angenommen, dass die automatische Steuerung der Triebwerke für die erforderliche Geschwindigkeit sorgte, zitierte Hersman aus der Befragung des Flugzeugführers.

Statt mit empfohlenen 253 Kilometern pro Stunde habe die Maschine, die nach zehn Stunden Flug aus Seoul kommend in San Francisco landen sollte, mit einer Geschwindigkeit von nur 196 Kilometern pro Stunde die Landebahn erreicht. Eine offizielle Erklärung für das Unglück stand noch aus. Hersman warnte vor voreiligen Rückschlüssen, solange die Untersuchungen laufen würden – und diese würden vermutlich noch Monate dauern. In den Augen der NTSB-Chefin steht die Frage im Raum, ob es einen Fehler bei der Programmierung gab oder die Geräte nicht richtig funktionierten, sodass sie die Piloten nicht warnten. Es steht bisher nur fest, dass es vor der Katastrophe offenbar keinen Notruf aus dem Cockpit gab und dass beide Motoren funktionsfähig waren, wie Hersman mitteilte.

Bei dem Crash am Samstag kamen zwei 16-jährige Chinesinnen ums Leben. Noch immer ist nicht einwandfrei geklärt, ob eines der getöteten Mädchen womöglich nicht durch den Crash starb, sondern anschließend von einem Rettungsfahrzeug überfahren wurde. „Eines unser Feuerwehrfahrzeuge ist möglicherweise in Kontakt mit einem der beiden Opfer gekommen“, räumte Feuerwehrchefin Joane Hayes-White am Dienstag ein. Die Polizei nahm deswegen Ermittlungen zum genauen Hergang der Rettungsbemühungen auf. Beim Absturz überlebten 305 Menschen an Bord, allerdings wurden 180 unter ihnen verletzt. Am Montag lagen nach Auskunft der Ärzte noch 27 Menschen im Krankenhaus, sieben von ihnen in kritischem Zustand. Für einige dürfte der Aufenthalt Monate dauern, wie Margaret Knudson, Chefkrankenschwester im San Francisco General Hospital. Mehrere Passagiere erlitten als Folge des heftigen Aufpralls bleibende Lähmungen.

Wie die Ermittler der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB am Dienstag auf einer Pressekonferenz erklärten, streifte die betreffende Boeing 777 beim Anflug am Samstag zunächst mit dem Fahrwerk eine Begrenzungsmauer, verlor ihr Heck, schlug mehrfach auf dem Boden auf und schlitterte dann über das Flugfeld. Zwei Flugbegleiterinnen wurden aus dem hinteren Teil der Maschine geschleudert, überlebten jedoch wie durch ein Wunder. Nach einer Schleuderfahrt, bei der weitere Teile abgerissen wurden, kam die Maschine am Rande der Landebahn zum Stehen.

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  • Ein Flugzeug, dessen Geschwindigkeit beim Landeanflug ca. 20% von der Sollgeschwindigkeit abweicht und kein Notsignal ertönen lässt, wäre ein ganz schlechtes Flugzeug.
    Also hier zu spekulieren bevor Fakten auf dem Tisch liegen, hat Bildzeitungsniveau.

  • So ist es, aber leider ist dem HB mittlerweile die Schlagzeile auch wichtiger als der faktenbasierte Inhalt ...

  • Wie Teile von Ereigniskaskaden aussehen könnten:

    Handelsblatt-Online:

    "Hersman zufolge befand sich einer der drei Piloten im Cockpit in der Ausbildung für die Steuerung einer Boeing 777, er hatte mit 43 Stunden etwa ein Fünftel des 250 Stunden umfassenden Programmes absolviert gehabt. Die Landung in San Francisco sei seine erste mit einer Maschine dieses Typs überhaupt gewesen. Das Kommando über den Flug hatte ein erfahrener Pilot, der als Ausbilder fungierte, diese Rolle allerdings wiederum zum ersten Mal ausfüllte. Ein dritter Pilot war im Cockpit auf einem Rücksitz, der vierte saß im Passagierbereich."

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