Bruder Roger bei Angriff während Gottesdienstes getötet
Mord an Taizé-Gründer überschattet Köln

Der Gründer und Prior der ökumenischen Glaubensgemeinschaft von Taizé, Bruder Roger, ist tot. Der 90-Jährige war besonders den jungen Menschen verbunden, die sich derzeit in Köln zum Weltjugendtag treffen.

HB LYON. Während eines Gottesdienstes am Stammort der Gemeinschaft in Ost-Frankreich sei eine Frau unter den rund 2500 Teilnehmern aufgestanden und habe Roger mit drei Messerstichen getötet, gab die Polizei am Dienstag bekannt. Der 90-Jährige sei sofort tot gewesen. Die Täterin, eine 36-jährige Rumänin, sei von den Gläubigen überwältigt und festgehalten worden.

„Wir sind erschüttert. Hier waren alle sehr aufgeregt. Keiner hat verstanden, was passiert ist“, sagte eine Schwester, die an dem Gebet in der Kirche teilgenommen hatte. Bruder François, der Roger nahe stand, habe den Besuchern des Gottesdienstes mitgeteilt, dass Roger nach dem Angriff verstorben sei. „Er sagte, alle sollten in der Kirche bleiben und für das Seelenheil von Bruder Roger beten“, sagte sie.

Der Generalsekretär des XX. Weltjugendtags in Köln, Prälat Heiner Koch, äußerte sich bestürzt: „Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weltjugendtags beten für diese große Persönlichkeit. Insbesondere drücken wir der Gemeinschaft von Taizé, im besonderen den Brüdern, die im Bonner Münster und in der Kölner Kirche St. Agnes das Geistliche Zentrum des Weltjugendtags gestalten, unser tiefes Beileid aus.“ Roger sei der katholischen Kirche immer tief verbunden gewesen. „Zuletzt waren wir alle froh und dankbar, dass er am Begräbnis von Papst Johannes Paul II. teilgenommen hat.“

Roger, ein protestantischer Pastor aus der Schweiz, war eine der führenden Figuren der ökumenischen Bewegung und genoss Respekt unter den Oberhäuptern verschiedener Konfessionen. Papst Johannes Paul II. besuchte die Gemeinschaft ebenso wie anglikanische Erzbischöfe von Canterbury, orthodoxe Metropoliten und protestantische Pastoren aus aller Welt.

Seinen ökumenischen Männerorden gründete er 1940 in der burgundischen Ortschaft Taizé, in der er zunächst Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs aufnahm, vor allem Juden. Nach Kriegsende kümmerte er sich um deutsche Kriegsgefangene. Heute besteht die Gemeinschaft aus mehr als 100 Ordensbrüdern aus mehr als 25 Ländern, Katholiken und Protestanten. Sie will zu einer Versöhnung der konfessionellen Spaltungen im Christentum beitragen.

Zehntausende Jugendliche aus ganz Europa pilgern jedes Jahr zu den Jugendtreffen nach Taizé. Für Roger galt die Gemeinschaft und die menschliche Solidarität immer mehr als alle Konfessionen. Seine Botschaft war Liebe und Einheit unter allen Menschen.

Für seinen Einsatz für Frieden erhielt Frère Roger 1974 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1988 den UNESCO-Preis für Friedenserziehung und 1989 den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen.

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