Buchtipp Österreich – die zerrissene Republik
Zwischen Kleinmut und Größenwahn

Handelsblatt-Autor Hans-Peter Siebenhaar hat ein knallhartes Dossier über Österreich geschrieben. Er bohrt, schneidet, spitzt zu, bis es weh tut. Bodo Hombach, der ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes, hat es gelesen.
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EssenHans-Peter Siebenhaar hat ein Buch geschrieben. Er ist der Korrespondent des Handelsblatts für Österreich. Ein beneidenswerter Posten in „felix Austria“, dem glücklichen Österreich. In Wien zudem, der freundlichsten Hauptstadt laut internationalem Ranking. Es könnte so schön sein.

Aber er setzt all' das aufs Spiel. Er tut etwas, was ihn bei der herrschenden Klasse der Alpenrepublik zur Persona non grata machen könnte: Er hält ihr den Spiegel vor. Er legt alle zehn Finger auf die Wunden einer Gesellschaft mit Verwerfungen, historischen Altlasten und Lebenslügen. Und – Gott behüte – er tut es als Deutscher, von dem man sich Einmischungen in die inneren Angelegenheiten verbittet.

Ob es ihm hilft, dass er Österreich liebt und der „zerrissenen Republik“ alles Gute wünscht? Ob man glaubt, dass seine ungeschönte Diagnose die Bereitschaft zur Therapie fördert? Ob die politisch wachen Bewohner der großen Postkarte zwischen Bregenz und Eisenstadt sich von einem „Piefke“ verstanden, getröstet und ermutigt fühlen? – Warten wir’s ab.

Meine eigene Zuneigung zu unseren Nachbarn konnte er nur ankratzen. Mehr Positives, auch über brillante Zeitgenossen der alten Republik, wäre möglich gewesen. Siebenhaars Österreich-Dossier ist knallhart. Er setzt an mit der Kehrtwende des Landes in der Flüchtlingsfrage, als sich Bundeskanzler Faymann plötzlich aus der europäischen Üblichkeit zurückzog und das Land de facto zur Festung erklärte.

Uralte Ängste (Türkengefahr) wurden bedient. Der Versuch, die rechtspopulistische FPÖ durch Überholen zurückzudrängen, scheiterte. Auch die Hängepartie um die Wahl des Bundespräsidenten bot ein Bild zwischen Größenwahn und Kleinmut. Das war nicht Demokratie als Spiel der Kräfte in politischer Gegnerschaft, sondern feindseliges Treten unterm Tisch.

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Zwischen Kleinmut und Größenwahn

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Krisenreaktor für Europa?

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