Buchvorstellung
Grass: „Kritiker blieben unter ihrem Niveau“

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat am Montagabend in Berlin erstmals öffentlich sein umstrittenes autobiografisches Buch „Beim Häuten der Zwiebel“ präsentiert. Dabei ging er mit seinen Kritikern hart ins Gericht.

HB BERLIN. Bei der Buchvorstellung bekräftigte der Schriftsteller, dass er sich auch nach der massiven Kritik wegen seiner jahrzehntelang verschwiegenen Waffen-SS-Mitgliedschaft weiter in der Öffentlichkeit zu Wort melden werde. „Es war nicht einfach für mich in letzter Zeit, aber ich stehe nach wie vor auf beiden Beinen und werde auch weiterhin den Mund aufmachen“, sagte Grass im Berliner Ensemble.

Grass hat in seinem neuen Buch erstmals davon erzählt, dass er in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges als Jugendlicher kurzzeitig der Waffen-SS angehört hatte. Dies führte in den vergangenen Wochen zu einer heftigen Auseinandersetzung über Leben und Werk des Nobelpreisträgers.

Zum Teil wurde Grass von seinen Kritikern vorgeworfen, in der Bundesrepublik als „Moralapostel“ aufgetreten zu sein und viele seiner Gegner hart attackiert zu haben, ohne seine eigene Vergangenheit völlig aufzudecken. Er habe mit dieser Heftigkeit der Reaktionen nicht gerechnet, bekannte Grass bei der Lesung und in einem Gespräch mit „Aspekte“-Moderator Wolfgang Herles.

„Ich habe nicht gedacht, dass Literaturkritiker so unter ihrem eigenen Niveau argumentieren würden“, meinte Grass unter Beifall des Publikums, darunter der Schriftsteller Volker Braun, der Berliner Akademie-Präsident Klaus Staeck, der SPD-Altpolitiker Egon Bahr und Pfarrer Friedrich Schorlemmer. Er habe länger gebraucht, um damit klarzukommen. Inzwischen habe er aber viele Zuschriften erhalten, „die mich stabilisiert haben“.

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