Buhlen um die Schwulen kann sich für Städte lohnen
Homo-Quote als Qualitätsmerkmal

Frauen Hand in Hand oder knutschende Männerpaare auf der Straße - in Köln sind sie weitgehend kein Hingucker mehr. Die Domstadt am Rhein ist eine der Homosexuellen-Hochburgen Europas. Der Christopher Street Day an diesem Wochenende ist der jährliche Höhepunkt schwullesbischer Präsenz. Ein US-Wissenschaftler fasst eine hohe Homo-Quote als Qualitätsmerkmal für Städte auf - Souveränität im Umgang mit dem Anderssein zahlt sich demnach aus.

HB KÖLN. Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Richard Florida ist der so genannte Gay-Index ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Zukunft, aber auch schon heute. Florida hat herausgefunden, dass in führenden Technologie-Standorten und boomenden Städten der USA wie San Francisco oder Seattle viele Schwule, aber auch andere Minderheiten, leben und dass dies das Erfolgsgeheimnis der Metropolen sei. Wo Homosexuelle gerne leben, muss ein Klima von Offenheit herrschen. Und dieses wiederum locke ganz allgemein Querdenker, Kreative und Computer-Freaks an. Und solche Leute brauche eine Stadt, um im postindustriellen Zeitalter vorne dabei zu sein.

Florida geht es in seiner Theorie also nicht um positive Diskriminierung oder das Klischee von der Trendsetter-Funktion und der höheren Kaufkraft (kinderloser) Homosexueller. Der Dortmunder Stadtgeograph Hans Heinrich Blotevogel erklärte Floridas Thesen kürzlich wie folgt: „Nach Florida sind nicht die Homos selbst die treibende Kraft, sondern der Indikator dafür, wo soziokulturelle Vielfalt wirtschaftlichen Erfolg nach sich zieht.“ In Deutschland ist die Theorie bislang nur in Fachkreisen bekannt. Eine deutsche Übersetzung des Florida-Buches „The Rise of the Creative Class“ sei derzeit nicht in Planung, sagt Agentin Susan Schulman in New York.

Mit Blick auf Köln ließe sich Floridas Argumentation durchaus auch in Deutschland folgen, auch wenn sich sicherlich darüber streiten lässt, was was bedingt. Köln ist jedenfalls ein Magnet für Kreative - Medienleute, Künstler oder Programmierer - geworden. Der US-Software- Hersteller Microsoft etwa will zum kommenden Jahr seinen Standort in Nordrhein-Westfalen von Neuss nach Köln verlegen. Dabei werden etwa 100 neue Jobs geschaffen.

Wo die Theorie in Deutschland aber prominent hakt, ist in der Hauptstadt. Berlin ist nicht zuletzt mit einem offen schwulen Bürgermeister und einer vielfältigen schwullesbischen Szene eine der homofreundlichsten Städte der Welt - bei den Wirtschaftsdaten gehört sie trotzdem nicht zu den besten.

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