Bumble-Deutschlandchefin Julia Schygulla „Klugheit und Talent ohne Netzwerk bringen überhaupt nichts“

Die Deutschlandchefin der Dating-App Bumble findet: Verbindungen sind Gold wert. Ein Interview über erste Schritte bei der Kontaktaufnahme, weibliche Vorbilder – und Fehler beim Netzwerken.
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Bumble-Chefin Schygulla: „Talent ohne Netzwerk bringt nichts“
Julia Schygulla

Die Bumble Deutschland-Chefin versteht es zu netzwerken.

Julia Schygulla empfängt im Büro ihrer Freundin am Kurfürstendamm in Berlin. Die Frau, die ihre Karriere als Modejournalistin startete, leitet jetzt in Deutschland die Dating-App Bumble. Nach dem Gespräch, am Abend, wird Sie noch ein Panel moderieren und die neueste Funktion der Dating App bewerben: Bumble Bizz. Damit können – ausschließlich – Frauen per Wisch ihr Netzwerk ausbauen.

Während der Kameramann seine Ausrüstung aufbaut, zieht sie ihren Lippenstift nach und bietet ihn gleich auch der Reporterin an – und es wirkt gar nicht komisch. Die 32-Jährige hat die Gabe, dass man sich in ihrer Gegenwart sofort wohlfühlt. Schygulla braucht offenbar fürs Netzwerken keine App.

Frau Schygulla, Sie waren Ressortleiterin bei der Modezeitschrift Instyle. Jetzt verantworten Sie den Ausbau der App Bumble in Deutschland. Wie kam es zu diesem Berufswechsel?
Im Zuge meiner Zeit als Modejournalistin habe ich irgendwann die Tech-Szene für mich entdeckt und viele Gründer interviewt – Airbnb, Netflix, Instagram. Das war sehr spannend, aber ich hatte nicht den Aha Moment – bis ich zu einem Pressedinner ging, wo Whitney Wolfe, die Gründerin von Bumble, neben mir saß. Irgendwann fragte Sie mich, ob ich mir vorstellen könnte, ihre Deutschlandchefin zu werden. Das kam natürlich sehr überraschend! Aber es hat sich, wie es auch in der Liebe ist, einfach richtig angefühlt.

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Dann mal Hand aufs Herz: Wie wichtig ist Networking für die eigene Karriere?
Ich finde Netzwerken ist ein bisschen wie Malen nach Zahlen. Man kennt Menschen aus dem privaten Umfeld, man kennt Personen aus dem beruflichen Kontext. Und irgendwann kommt dann der Punkt, wo man Linien ziehen kann.

Welche Fehler machen wir beim Netzwerken?
Es gibt Leute, die sind zur Führungsetage unfassbar freundlich. Und dann erlebt man sie im Umgang mit Praktikanten, wo sie unausstehlich sind. Das ist zum einen menschlich schwach - und zum anderen auch nicht klug. Wer weiß, in welcher Situation man sich in der Zukunft nochmal begegnet?

Welche Tipps haben Sie für Frauen?
Netzwerken ist vor allem dann erfolgreich, wenn man in wertvolle, nachhaltige Beziehungen investiert. Nicht etwa Power-Networking betreiben: Viele machen das, gehen zu vielen Events, vernetzen sich auf sozialen Kanälen. Und dann verkommen die Leute zu Karteileichen, weil man nie ein Follow-up gemacht hat.

Wie wichtig waren Mentoren für Ihren Berufsweg?
Mentoren waren für meine Karriere unerlässlich. Es ist herrlich, wenn man klug und talentiert ist. Aber das bringt einem überhaupt nichts, wenn es niemand anderen gibt, der das sieht. Ich hatte das Glück, dass ich tolle Mentoren an meiner Seite hatte. Das war zum einen meine Chefredakteurin bei der Instyle, Anette Weber. Ich habe sie als Praktikantin bei der Instyle kennengelernt, und sie hat mich während meiner kompletten Karriere begleitet. Wir kennen uns jetzt seit elf Jahren. Und das zweite wichtige Treffen war das mit Whitney-Wolfe.

Warum machen in Deutschland Männer öfter Karriere als Frauen?
Ich weiß gar nicht, ob man das so sagen kann. Für mich ist die Debatte dahingehend schwer nachzuvollziehen, da ich ja immer in Branchen gearbeitet habe, wo sehr viele Frauen arbeiten. Ich finde, es sollte mehr um die Fähigkeiten gehen – wer für den Job am Besten geeignet ist. Es fällt mir sehr schwer, diese Frage zu beantworten.

Es wird die einzige Frage sein, bei der Schygulla um eine Antwort singt. Sie fühlt sich sichtlich unwohl dabei. Das Thema ist komplex, es gibt keine einfache Antwort – und für viele Frauen auch keine richtige, nur falsche.

Anders gesagt: Würde es Ihnen im Tech-Business etwas bringen, ein Mann zu sein?
Das glaube ich nicht.

Bei Bumble dürfen ja nur Frauen Männer kontaktieren. Sind Sie schon immer der Typ gewesen, der den ersten Schritt macht?
Nein. Das war für mich wirklich ein völliger Game Changer. Ich komme aus einem traditionellen Elternhaus, und es war nie so, dass ich den ersten Schritt gemacht habe. Aber genau das wollte Whitney mit Bumble ändern. Wir wollen gleichberechtigt arbeiten, und ich finde, wir sollten an den Punkt kommen, dass wir jede Beziehung gleichberechtigt angehen.

Whitney Wolfe-Herd ist Gründerin der erfolgreichen App Bumble. (Drew Anthony Smith/The New York Times) Quelle: DREW ANTHONY SMITH/The New York /Redux/laif
Bumble-Gründerin Whitney Wolfe

Whitney Wolfe-Herd ist Gründerin der erfolgreichen App Bumble. (Drew Anthony Smith/The New York Times)

(Foto: DREW ANTHONY SMITH/The New York /Redux/laif)

Wer ist Ihr Vorbild?
Ich würde sagen, dass mein Vorbild meine Mutter ist. Sie ist in ihrem Leben einen anderen Weg gegangen und hat sich nach ihrem erfolgreich abgeschlossenen Studium dazu entschieden, mich großzuziehen und zu Hause zu bleiben. Sie hat also eine ganze andere Vita. Nichtsdestotrotz ist meine Mutter mein Vorbild in allen Lebenslagen. Und meine Mutter ist auch die erste Person, die ich anrufe – auch wenn ich beruflichen Rat brauche.

Was würden Sie Ihrem 18-Jährigen Ich heute raten?
Ich würde sagen: Vertrau‘ auf deine Fähigkeiten. Und vertrau‘ auch dem Lauf der Dinge. Manches kann man einfach nicht lenken, und das sollte man dann annehmen und das Beste daraus machen. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. So etwas würde ich meinem 18-Jährigen gerne mit auf den Weg geben.

Frau Schygulla, vielen Dank für das Interview.

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