Bundesregierung prüft Konsequenzen
Warten, hoffen - und zittern

Im Münsterland müssen nach dem Wintereinbruch vom Wochenende nicht nur zehntausende Haushalte voraussichtlich die vierte Nacht in Folge ohne Strom verbringen. Weiteren 40 000 Kunden musste RWE am Montag den Strom abdrehen. Das Chaos hat mittlerweile auch die Bundesregierung auf den Plan gerufen. Es würden Konsequenzen geprüft, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin.

HB DÜSSELDORF. Regenfälle auf vereiste Stromleitungen im Münsterland verschlimmerten die Situation am Montag noch einmal: RWE Westfalen-Weser-Ems habe aus Sicherheitsgründen zwei Leitungen in der Region Metelen, Borghorst und Steinfurt abschalten müssen, erklärte das Unternehmen. Diese hätten sich durch die Regenfälle auf die vereisten Leitungen so stark gebogen, dass Lebensgefahr bestehe. Die Zahl der Menschen ohne Stromversorgung erhöhte sich damit vorübergehend auf 90 000. Hunderte Mitarbeiter versuchten, die Leitungen vom Eis zu befreien.

Beim Einbruch der Nacht waren noch immer 60 000 Menschen ohne Strom, sagte der Sprecher der Bezirksregierung Münster, Wolfgang Weber, am Montagabend. Die Zahl habe sich seit dem späten Nachmittag aber um 30 000 reduziert. Zudem hoffe man, weitere 35 000 Menschen bis zum frühen Morgen wieder mit Strom versorgen zu können.

Noch am Mittag hatte sich der Konzern optimistisch gezeigt, die Zahl der vom Stromnetz abgeschnittenen Haushalte bis zum Abend auf 25 000 reduzieren zu können. Schwerpunkt der Arbeiten sei das Gebiet rund um Ochtrup, das von den Stromausfällen besonders schwer betroffen ist, hatte RWE mitgeteilt. Am Mittag waren nach Angaben der Bezirksregierung noch rund 50 000 Menschen ohne Strom. Zwar gebe es immer wieder Fortschritte und weitere Ortsteile gingen ans Netz, doch gebe es auch neue Probleme, sagte der Behördensprecher. So sei etwa im Kreis Steinfurt das Strom-Netz punktuell zusammengebrochen.

Zu möglichen Konsequenzen sagte Regierungssprecher Wilhelm, zunächst würden auf Staatssekretärsebene die Erfahrungen der Helfer und Energieversorger ausgewertet. Danach werde entschieden, „welche weiteren Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind“.

In der Region Ochtrup sei der Wiederaufbau des Netzes besonders schwer, da dort eine komplette neue Leitung inklusive Masten über die Autobahn A 31 am Kreuz Gronau installiert werden müsse, erklärte RWE. Das Unternehmen hatte rund 400 Mitarbeiter im Einsatz, um die Folgen des Wintereinbruchs zu beheben. Zudem hoffen die Behörden auf weitere Notstromaggregate, die aus Süddeutschland geliefert werden sollten.

Im Münsterland gibt es seit Freitag massive Probleme mit der Stromversorgung, nachdem heftige Schneefälle für teils armdicke Eisschichten auf Stromleitungen gesorgt hatten, die diese reißen ließen. Zudem knickten rund 50 Strommasten um. Zeitweise waren in der Region rund 250 000 Menschen ohne Strom. Die Schneefälle hatten zu teils chaotischen Verkehrsverhältnissen geführt. Rund 100 Flüge mussten auf den Flughäfen Düsseldorf und Münster/Osnabrück am Wochenende gestrichen oder umgeleitet werden. Auch bei der Bahn gab es zahlreiche Ausfälle. Nach Angaben der Deutschen Bahn waren am Montag noch zwei Strecken in Nordrhein-Westfalen gesperrt.

Seite 1:

Warten, hoffen - und zittern

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%