Bundesregierung will Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen verstärken
Ermittler schließen Terror-Motiv nicht aus

Einen Tag nach den Bombendrohungen und dem Chaos auf dem Düsseldorfer Flughafen hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Die Drohung habe nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden möglicherweise einen politischen Hintergrund, ein terroristisches Motiv sei nicht ausgeschlossen. Es gebe derzeit einige Ermittlungsansätze, Einzelheiten wurden aber nicht genannt. Unterdessen läuft die Suche nach dem Täter auf Hochtouren, teilte die Düsseldorfer Polizei am Montag mit.

HB DÜSSELDORF. Der Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwalt, Johannes Mocken, sagte am Montag, nach derzeitigem Erkenntnisstand spreche sehr viel mehr für einen politischen Hintergrund als etwa für eine Erpressung. Einzelheiten wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Er wollte auch Presseberichte nicht bestätigen, nach denen bei den am Flughafen eingegangenen sieben Drohanrufen stets dieselbe Stimme zu hören war. Am Montagmittag hatte sich der Verkehr auf dem drittgrößten Flughafen Deutschlands, der am Sonntag nach den Bombendrohungen für fast sieben Stunden lahm gelegen hatte, wieder normalisiert.

Wegen des Bombenalarms war der Flughafen von Sonntagmittag bis zum Abend geschlossen worden. Der Tag zählte zu den Spitzen-Verkehrstagen des größten deutschen Charter-Flughafens, weil in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien zu Ende gingen. Nach Angaben des Flughafens sollten an diesem Tag rund 64 000 Passagiere abgefertigt werden. Etwa 150 Flüge waren von der Sperrung betroffen. Rund 180 Sicherheitskräfte vom Bundesgrenzschutz und der Polizei suchten stundenlang mit Spürhunden nach Sprengstoff. Gefunden wurde aber nichts.

Am Montag Vormittag hatte es nach Angaben der Flughafen-Gesellschaft noch vereinzelt zu Verspätungen gegeben. Der Flughafen war die ganze Nacht über in Betrieb gewesen, da das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium das sonst geltende Nachtflugverbot aufgehoben hatte, um den durch die Sperrung betroffenen Passagieren doch noch die Reise zu ihren Zielorten zu ermöglichen und eine nachhaltige Beeinträchtigung des Flugverkehrs am Montag zu vermeiden. Die in Düsseldorf ansässige Charterfluglinie LTU bezifferte den finanziellen Schaden der Flughafensperrung und der dadurch verursachten Verzögerungen auf einen sechsstelligen Euro-Betrag. Höhere Kosten seien unter anderem durch zusätzliche Start- und Landegebühren auf Ausweichflughäfen wie etwa Köln/Bonn sowie durch den Bus-Transport von Kunden von einem Flughafen zum anderen entstanden, sagte ein LTU-Sprecher. Bei der Lufthansa hieß es, man könne den finanziellen Schaden nicht beziffern.

Das Bundesinnenministerium bestätigte unterdessen Pläne, die Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen zu verstärken. Ein entsprechender Gesetzentwurf solle im Oktober im Kabinett beraten werden, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Deutschland reagiere damit auf eine EU-Vorschrift für strengere Kontrollen, die im Januar 2004 umgesetzt werden müsse. In dem Reuters in Auszügen vorliegenden Referentenentwurf heißt es, die geplanten zusätzlichen Personalkontrollen verursachten den Flughafenbetreibern und Fluggesellschaften höhere Kosten. Diese seien unvermeidlich, weil die EU-Luftsicherheitsverordnung diese Kontrollen zwingend vorschreibe.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte, er bezweifele dass ein härteres Strafmaß bei Bombendrohungen eine abschreckende Wirkung habe. „Die Sicherheit muss allerhöchste Priorität haben“.

Nennenswerte Auswirkungen auf die Ticketpreise seien nicht zu erwarten, heißt es in dem Entwurf weiter. Angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks sei fraglich, ob die Fluggesellschaften höhere Kosten auf ihre Tickets umlegten. Ein Sprecher von Deutschlands größtem Flughafenbetreiber, Fraport , sagte, derzeit fänden Sondierungsgespräche zwischen der Regierung und den Flughafenbetreibern statt. Es gehe vor allem darum, die Zugangskontrollen beim Betreten der sicherheitssensiblen Bereiche durch Flughafenpersonal zu verbessern. Betroffen wäre dabei beispielsweise das Verkaufspersonal in Geschäften für zollfreien Einkauf. „Die Dinge sind aber noch im Fluss, sagte der Fraport-Sprecher. Von den geplanten neuen Sicherheitsvorschriften auf Flughäfen zeigte sich ein Lufthansa-Sprecher überrascht: „Davon haben wir noch nichts gehört.“ Höhere Preise schloss der Lufthansa-Sprecher aber aus. „Wir denken definitiv nicht an eine Erhöhung der Preise“, sagte er.

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