Bundeswehr-Airbus am Morgen gelandet
Sahara-Geiseln in Deutschland angekommen

Nach sechs Monaten Geiselhaft in der Wüste und zuletzt tagelangen Verzögerungen bei der Freilassung in Mali sind die freigekommenen 14 Sahara-Touristen am Mittwoch nach Europa zurückgekommen. Ein Airbus der Luftwaffe landete mit den erschöpften, aber äußerlich gesunden Europäern am Morgen um 07:21 Uhr auf dem Flughafen Köln/Wahn.

Reuters KÖLN. Die meisten der ehemaligen Geiseln verließen mit ernsten Gesichtern den von der Bundesregierung entsandten Airbus „Konrad Adenauer.“ Mit festen Schritten gingen die Freigelassenen die Gangway hinunter zu einem wartenden Bus, der sie sofort zu ihren von der Presse abgeschirmten Angehörigen in ein nahe gelegenes Gebäude brachte. Keiner der braungebrannten Männer und Frauen, von denen mehrere einheitliche dunkelblaue Trainingsanzüge mit rot-weissen Streifen trugen, humpelte oder musste gestützt werden. Einer winkte in die Kameras, ein anderer hob demonstrativ den Daumen.

In Medienberichten war zuvor von mindestens vier bettlägerigen Ex-Geiseln die Rede gewesen. Der Gesundheitszustand der freigekommenen Männer und Frauen sei „außerordentlich gut“, „auch mental sind alle in bester Verfassung“, sagte kurz nach der Landung der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog. „Die Stimmung im Flugzeug war euphorisch, jeder wollte etwas erzählen. Das war menschlich sehr anrührend.“ Die monatelange Geiselnahme hätte sehr viel schlimmer werden können, sagte Chrobog.

17 der insgesamt 32 Geiseln waren im Mai bei einer Befreiungsaktion des algerischen Militärs frei gekommen. Die Entführer hatten daraufhin die übrigen Geiseln an verschiedene Orte in die Wüste verschleppt. Dies hatte Befürchtungen über Kurzschluss-Reaktionen der Geiselnehmer ausgelöst. „Und deswegen glaube ich, sollten wir jetzt auch allen, die jetzt zurückgekehrt sind, die Zeit und die Ruhe geben, zu sich selbst zu finden.“ Die ehemaligen Geiseln brauchten Zeit, um ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

„Wir sollten jetzt einmal Abstand nehmen von allen kritischen Fragen und froh sein, dass es so ausgegangen ist“, sagte Chrobog mit Blick auf die zu Wochenbeginn entbrannte Debatte um eine Kostenbeteiligung von Abenteuerurlaubern an ihrer Rettung. Zu Medienberichten über eine angebliche Lösegeldzahlung sagte der Staatssekretär: „Die deutsche Regierung kann nicht und wird nicht erpresst werden.“

Chrobog: Aufwändigste Rettungsaktion von Touristen

Unbestätigten Berichten zufolge soll ein Lösegeld von rund 4,6 Millionen Euro geflossen sein. Nach der Freilassung sollen die Geiselnehmer nun gejagd werden. „Wir werden der algerischen und der malischen Regierung jede Unterstützung gewähren, um die Geiselnehmer zu fassen, das sind Verbrecher“, sagte Chrobog. Einige Kidnapper hätten sich „sehr korrekt“ verhalten, berichtete Chrobog. „Sie waren zum Teil kameradschaftlich und haben versucht, den Geiseln das Leben ein wenig angenehmer zu machen.“ Andere Kidnapper seien aber „weniger erfreulich“ gewesen.

„Das war wohl die langwierigste und aufwändigste Rettungsaktion deutscher Touristen im Ausland, die wir bisher durchgeführt haben“, sagte Chrobog. Er bauerte den Tod einer 45-jährigen Deutschen aus Augsburg, die die Geiselnahme nicht überlebt hatte. „Unsere Gedanken sind jetzt bei der Familie und den Kindern.“ Die geographischen Koordinaten vom Ort der Bestattung der Frau in der Wüste seien bekannt. „Wir hoffen und sind zuversichtlich, dass wir wenigstens die Leiche zurückholen können.“

Chrobog hatte die Touristen in der malischen Hauptstadt Bamako empfangen und war mit ihnen kurz vor dem Abflug in der Nacht zum Mittwoch von Malis Staatspräsident Amadou Toumani Toure empfangen worden. Die Sahara-Urlauber waren vor rund sechs Monaten im Süden Algeriens von mutmaßlichen radikalen Moslems verschleppt und zuletzt auf malischem Gebiet festgehalten worden.

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