Bus stürzt in Alpenschlucht
Dramatisches Ende einer Pilgerfahrt

Pilgerfahrt in den Tod: Ein Bus mit polnischen Pilgern ist am Sonntag in den französischen Alpen in ein Tal gestürzt und ausgebrannt, weil der Fahrer eine verbotene Abkürzung nahm. 26 Insassen starben. Die anderen 25 wurden schwer verletzt. Vielen von ihnen werden nur wenig Überlebenschancen eingeräumt.

dpa PARIS. „Die Opfer mit schweren Verbrennungen wurden mit Hubschraubern zu Spezialkliniken in Marseille und Lyon transportiert“, teilte die Präfektur der Deutschen Presse-Agentur dpa mit. Die Nationalstraße wurde gesperrt, um die Rettungsarbeiten zu erleichtern. Premierminister Francois Fillon eilte an den Unglücksort und sprach den Angehörigen der Todesopfer und den Überlebenden sein Mitgefühl aus.

Das Unglück ereignete sich auf der Nationalstraße 85 nahe Grenoble am Fuß der kilometerlangen steilen Gefällestrecke von Laffrey. Der Bus durchbrach nach einer 90-Grad-Kurve das Geländer einer Brücke über dem Tal der Romanche. Er zerschellte 50 Meter tiefer am Ufer des Gebirgsbachs, der nach den Regenfällen der vergangenen Tage zu einem reißenden Fluss angeschwollen ist, und ging in Flammen auf. „Offenbar haben die Bremsen versagt“, erklärte die Präfektur.

Den Rettern bot sich ein schreckliches Bild. „Überall liegen Leichen. Das ist wie das Ende der Welt. So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte ein Augenzeuge dem Sender France-Info. Mehrere Opfer wurden von den Fluten der Romanche mitgerissen und konnten erst nach stundenlanger Suche geborgen werden.

Unklar ist, warum der Busfahrer die bekannte Gefahrenstrecke nahm. Schwere Busse und Lastwagen benötigen eine Sondergenehmigung und ein mehrfach ausgelegtes Bremssystem. Der Bus hätten die Strecke nicht nehmen dürfen, sagte der Bürgermeister von Vizille, Alain Berhault, dem „Figaro“. Das Verbot sei klar ausgeschildert. „Aber das ist nicht der einzige Bus, der diese Strecke nimmt.“

Schon mehrfach waren auf der Strecke Lastwagen oder Busse verunglückt, weil die Bremsen heiß liefen und versagten. Dort, wo der polnische Bus abstürzte, war im Juli 1973 ein belgischer Reisebus verunglückt. Dabei waren 43 Menschen ums Leben gekommen.

Die 49 polnischen Pilger und zwei Busfahrer waren auf der Rückreise von einer Tour zu katholischen Pilgerorten in Frankreich und auf der iberischen Halbinsel. Sie hatten die Nacht in Notre-Dame-de-la-Salette etwa 50 Kilometer südlich von Grenoble verbracht. Dort findet gerade eine Begegnung von Priestern und Gläubigen aus Polen, Russland, der Ukraine, Großbritannien und Frankreich statt.

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