Bush erneut im Süden
Menschen kehren nach den Hurrikans zurück

Die Menschen kehren nach den zerstörerischen Wirbelstürmen „Katrina“ und „Rita“ langsam wieder in die Katastrophenregionen im Süden der USA zurück. Dabei bietet sich ein schreckliches Bild, vielerorts stehen die Heimkehrer vor den Trümmern ihrer Existenz.

HB WASHINGTON. „Rita“ hatte bei ihrem Auftreffen auf das Festland an der Grenze zwischen Texas und Louisiana am Samstag zwar weniger Schäden angerichtet als ursprünglich befürchtet, aber dennoch ganze Ortschaften verwüstet. Weite Landstriche stehen noch bis zu fünf Meter unter Wasser. Fast eine Million Menschen waren am Dienstag den vierten Tag hintereinander von der Stromversorgung abgeschnitten.

US-Präsident George W. Bush reiste erneut in die Katastrophengebiete. In Beaumont und der nahe gelegenen Stadt Lake Charles (Louisiana) sowie per Helikopter verschaffte er sich ein Bild von der Lage. Am Montag (Ortszeit) hatte Bush vor dem Hintergrund der beeinträchtigten Ölproduktion durch die Hurrikans alle Bundesbehörden angewiesen, Energie einzusparen. Angestellte sollten ermutigt werden, öffentliche Transportmittel zu benutzen.

In Washington verwahrte sich am Dienstag der frühere Chef der Behörde für Katastrophenmanagement (Fema), Michael Brown, vor einem Kongressausschuss entschieden gegen Kritik an seiner Person wegen der langsamen Reaktion auf „Katrina“. Stattdessen wies er die Hauptschuld dem Staat Louisiana zu. Differenzen zwischen Gouverneurin Kathleen Blanco und dem Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, etwa in der Frage der Evakuierungen hätten Vorsorge- und Hilfsmaßnahmen erschwert. Es sei sein eigener größter Fehler gewesen, so Brown weiter, dass er zu spät erkannt habe, „dass Louisiana funktionsgestört war“. Er bedauere es sehr, dass er Blanco und Nagin nicht zur Zusammenarbeit habe überreden können.

Brown war nach einem Sturm der Empörung insbesondere über seine eigenen Versäumnisse aus der Katastrophenregion abgezogen worden und dann zurückgetreten. In der Anhörung, die von den Republikanern initiiert und von den meisten Demokraten als „Schauveranstaltung“ boykottiert worden war, gab es wiederholt hitzige Wortgefechte. Zur Sprache kommen sollte bei dem Hearing auch, dass Brown nach seinem Rücktritt von der Regierung als Berater bei internen Untersuchungen der Fehler nach „Katrina“ verpflichtet wurde - bei voller Bezahlung. Demokraten äußerten sich entrüstet: Hier sei der Bock zum Gärtner gemacht worden.

Während in vielen von „Rita“ verwüsteten Gebieten die Menschen fassungslos vor den Trümmern ihrer Häuser standen, kehrte vier Wochen nach Monster-Hurrikan „Katrina“ ein Stück Normalität in die Südstaatenmetropole New Orleans zurück. Bürgermeister Nagin hatte am Montag grünes Licht für die Wiederbesiedlung des höher gelegenen Stadtteils Algiers gegeben, der von Überschwemmungen verschont geblieben war. In langen Autoschlangen kamen die vom Sturm vertriebenen Menschen nach Hause. Ladenbesitzer durften auch in andere Viertel zurückkehren, um die Öffnung ihrer Geschäfte vorzubereiten. Nur der Stadtteil Ninth Ward, ein Armenviertel, das am Wochenende von „Rita“ erneut überflutet worden war, bleibt vorerst gesperrt.

Logistikexperten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kommen in dieser Woche von einem Hilfseinsatz aus Louisiana zurück. Sie verteilten nach DRK-Angaben mit amerikanischen Kollegen zusammen bis zu 60 000 Mahlzeiten täglich an die Opfer der schweren Stürme. Das Amerikanische Rote Kreuz habe für die „Katrina“- und „Rita“- Flüchtlinge insgesamt rund 2,2 Mill. Übernachtungsmöglichkeiten in mehr als 900 Notunterkünften bereitgestellt.

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