Callgirl-Affäre
Die Sex-Partys der Reichen und Mächtigen

Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn muss zur Callgirl-Affäre aussagen: Es geht um Sex-Partys mit Politikern, Polizeichefs und dubiosen Geschäftsmännern, die sich in Paris und Washington mit Prostituierten vergnügt haben sollen.
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ParisEs geht um freizügige Sex-Partys in Paris und Washington, um Prostituierte, ranghohe Politiker, Polizeichefs und dubiose Geschäftsmänner: Die französische Callgirl-Affäre, die seit vergangenem Herbst die Justiz beschäftigt, steuert einem neuen Höhepunkt entgegen. Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und einstige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten, Dominique Strauss-Kahn, wird am Dienstag in Lille zu den Vorwürfen verhört.

Strauss-Kahn bestreitet nicht, dass er mehrfach an Sex-Partys teilgenommen hat. Allerdings will der 62-Jährige nicht gewusst haben, dass es sich bei den Damen um Prostituierte handelte. Reise- und Hotelkosten sowie die Frauen wurden Zeugen zufolge von beteiligten Geschäftsmännern bezahlt. Die Ermittler könnten dem damals noch hochrangigen Politiker Strauss-Kahn nun vorwerfen, von unterschlagenen Firmengeldern profitiert oder im Gegenzug selbst Gefälligkeiten geleistet zu haben. Auch seine mögliche Beteiligung an der „bandenmäßigen Zuhälterei“ in dem Fall steht zur Debatte.

Strauss-Kahn, der im vergangenen Jahr nach dem Vorwurf der versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens in New York als IWF-Chef zurücktreten musste, will als Zeuge schon seit Mitte Oktober zu der Zuhälter-Affäre aussagen. Von „bösartigen“ Unterstellungen in der Presse sprach er. Dennoch könnte er von der Justiz nun nicht nur als Zeuge, sondern als Beschuldigter eingestuft werden; theoretisch könnte er bis zu 96 Stunden in Polizeigewahrsam genommen werden, doch dürfte das Verhör nur bis zu 48 Stunden dauern. Die Anordnung von Untersuchungshaft danach war Polizeikreisen zufolge nicht ausgeschlossen. Am Ende der Ermittlungen könnte sogar eine Anklage stehen.

Die Schlüsselfiguren und Hauptbeschuldigten sind allerdings andere Personen: In der verzweigten Affäre ist bisher bekannt, dass ein gut vernetzter Zuhälterring regelmäßig Kunden von Luxushotels in Lille mit Callgirls aus Belgien versorgt hat. Gegen acht Verdächtige wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet, unter ihnen auch der Direktor des Carlton-Hotels und die Nummer zwei der Polizei für den Norden Frankreichs, Jean-Christophe Lagarde. Der oberste Polizeichef für die Region, Jean-Claude Menault, wurde lediglich versetzt und ging danach in den Ruhestand.

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