Cannabis-Business-Messe Im kollektiven Rausch

Von wegen Hippies im Batik-Shirt. Auf der Cannabis-Business-Messe in New York dominieren die Anzugträger. Die Produktpalette ist riesig. Das größte Problem der Branche: Das viele Cash und Washingtons unklare Richtung.
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Laut den Schätzungen des Brokerhauses Cowen & Co. lag der Gesamtumsatz der Cannabis-Branche im vergangenen Jahr bei sechs Milliarden Dollar. Quelle: AP
Cannabis-Business

Laut den Schätzungen des Brokerhauses Cowen & Co. lag der Gesamtumsatz der Cannabis-Branche im vergangenen Jahr bei sechs Milliarden Dollar.

(Foto: AP)

New York„Das Cannabis-Geschäft ist wie jedes andere Venture-Capital-Geschäft: Den Gewinner zu finden, ist schwer!“ mahnt Chris Leavy seine Zuhörer, „Aber wenn man es richtig macht, locken Renditen von 40 Prozent“. Der schlanke Mann im dunklen Jackett ist der Co-Chairman der auf Cannabis spezialisierten Management- und Investmentgesellschaft Med Men. Der ehemalige Manager des weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock hat sich zum Hanf konvertiert. Mit klarem Kopf spricht Leavy von Kapitalinvestitionen, Fallstudien mit Gewächshäusern und den Fallstricken bei Verträgen.

Auch sein Publikum im New Yorker Jacob Javits Kongresscenter sieht nicht so aus, wie man sich die typischen Cannabis-Jünger vorstellt: Viele Anzugträger, Damen im Kostüm, nur zwei Rasta-Köpfe fallen aus der Reihe. Eine Zuhörerin will wissen, wie man als Privatanleger in Cannabis-Fonds investieren kann. Ein Frührentner in Shorts und grün-gestreiftem Polohemd will wissen, wie Leavy die Chancen für New Jersey sieht.

Marihuana ist längst zu einem großen Business geworden. Laut den Schätzungen des alteingesessenen Brokerhauses Cowen & Co. lag der Gesamtumsatz der Branche im vergangenen Jahr bei sechs Milliarden Dollar. Bis 2026 wird er nach Ansicht der Finanzexperten auf 50 Milliarden Dollar steigen. Laut der Marktforschungsfirma Pitchbook haben Investoren allein in diesem Jahr eine Milliarde Dollar in die Branche gesteckt .

Der medizinische Gebrauch ist schon in 30 US-Bundesstaaten legalisiert. In acht Staaten ist auch der Freizeit-Gebrauch von Marihuana legal. Es gibt bereits verschiedene börsennotierte Unternehmen, die auf die medizinische Nutzung des Cannabis-Wirkstoffs CBD setzen. GW Pharmaceuticals etwa befindet sich in der letzten klinischen Testphase für seine Epilepsie-Mittel für Kinder. Corbus Pharmaceuticals will Mukoviszidose bekämpfen. Und andere börsennotierte Unternehmen bauen Marihuana an und verkaufen es.

Auf der New Yorker Cannabis-Business-Messe tritt zwar auch der bunte Vogel Jesse Ventura auf. Der ehemalige Wrestler, Schauspieler, Politiker und Verschwörungstheoretiker ist einer der stärksten Verfechter der Legalisierung von Marihuana. Aber auch ihm geht es vor allem ums Geschäft.

Wie aus Hanf ein Medikament wird
Cannabis
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Im Auftrag des Herstellers Bionorica züchtet die österreichische Staatsagentur AGES am Stadtrand von Wien die Hanfpflanzen. Gut sechs Monate dauert der Anbauzyklus. Von der Farbe der Pflanzentöpfe bis zu einer speziellen Reflexion des Lichtes ist bei der Züchtung alles durchoptimiert. Die Hanfblüten gedeihen am besten, wenn die Lichtzeiten kurz sind.

Bionorica
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Am Firmensitz in Neumarkt/Oberpfalz verarbeitet der Hersteller Bionorica die Hanfblüten weiter. Der Tresorraum, in dem die Blüten zunächst lagern, ist durch eine schwere Stahltür, Kameras, Bewegungsmelder und Erschütterungssensoren gesichert. Die Medikamenten-Entwickler von Bionorica interessieren insbesondere die feinen Drüsenhärchen der Hanfblüten – in ihnen ist der entscheidende Wirkstoff Tetrahydrocannabinol, kurz Thc, enthalten.

Chemische Reaktionsverfahren
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Die getrockneten Hanfblüten werden in großen, stählernen Zylinderkesseln mit Lösungsmitteln versetzt. Bionorica nutzt nun die ganze Bandbreite der chemischen Reaktionsverfahren: Destillieren, Kondensieren, Kühlen, Verdampfen, Erhitzen. Ein Chromatograph trennt das Thc von anderen Bestandteilen; das verbliebene wird auf 60 bis 70 Grad erhitzt. Die Abläufe werden so lange wiederholt, bis der Laborleiter mit dem Wirkstoffgehalt zufrieden ist.

Flüssigkeit
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Eine bernsteinfarbene Flüssigkeit ist entstanden. Der Thc-Anteil liegt nun bei über 97 Prozent.

Spritzen
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Der entstandene Wirkstoff wird auf Spritzen gezogen. Wie viele Hanfblüten nötig sind, um eine Dosis herzustellen, verrät Bionorica leider nicht.

Kein Fertigarzneimittel
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Bis zur Auslieferung an die Apotheken lagern der Stoff im Tresorraum. Allerdings ist Dronabinol nicht als Fertigarzneimittel zugelassen. Das heißt: Vor Ort müssen die Apotheker das Medikament noch zusammenmischen – sie kombinieren dabei die Substanz aus der Spritze mit einem speziellen Lösungsmittel. Das fertige Medikament Dronabinol nutzen in Deutschland derzeit etwa 600 bis 700 Patienten

Und das Geschäft geht längst über die verschiedenen Hanf-Arten von Schwarzer Afghane, Early Pearl oder Big Bud hinaus. Auf der New Yorker Messe buhlen die Anbieter von Labortechnik, Geruchs-Neutralisierungs-Geräten und Abfüllmaschinen um die Kunden. Das gleiche gilt für die Hersteller von Hundefutter mit dem nicht psychodelischem Wirkstoff CBD, das die Nerven der Vierbeiner beruhigen soll. „Kurz vor den Feuerwerken am 4. Juli gehen unsere Verkaufszahlen in die Höhe“, versichert der Vertreter am Stand. Sogar ein Versicherungsbroker hat eine Cannabis-Nische entdeckt: Er bietet Nichtraucher-Lebensversicherungen für Cannabis-Raucher an.

Die Branche hat zu viel Cash
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