Chaos im Luftverkehr
Brasilianische Passagiere umstellen Flugzeug

Die Flugpassagiere in Brasilien reagieren zunehmend gereizt auf die seit Wochen andauernden Verspätungen und Ausfälle. Maschinen werden umstellt, andere gestürmt und Landebahnen besetzt. Die Verantwortlichen wissen keinen Rat.

HB SAO PAULO. Eine Gruppe von Flugpassagieren hat am Mittwoch das Rollfeld des Flughafens von Sao Paulo gestürmt. Die Fluggäste drängten sich laut des Fernsehsenders Globo TV aus einem Flughafenbus, in dem insgesamt etwa 30 Menschen fast eine Dreiviertelstunde vor ihrer Maschine nach Recife gewartet hatten. Dann umstellten sie die Maschine der Fluggesellschaft Tam. Das überbuchte Flugzeug habe seine Türen schon geschlossen gehabt, und die aufgebrachten Passagiere hätten es am Start hindern wollen. Die Polizei führte die Protestierenden ab. Der Start der Maschine verzögerte sich um zwei Stunden.

In der Hauptstadt Brasilia besetzte eine Familie am Donnerstag aus Protest gegen die Verspätungen ihres Fluges ungeachtet heftigen Regens die Landebahn. In der nordöstlichen Provinzhauptstadt Salvador stürmten Dutzende Passagiere ein Flugzeug, nachdem sie mehrere Stunden vor dem Gate gewartet hatten. In Rio weigerten sich Passagiere, aus einem Flugzeug auszusteigen, das nach einer Zwischenlandung unerwartet die Route ändern sollte.

Bis zu 12 Stunden Verspätung

Die zivile Luftfahrtbehörde Anac teilte mit, am Donnerstag hätten landesweit etwa 44 Prozent aller Flüge zwischen 1 und 12 Stunden Verspätung gehabt. 40 Verbindungen wurden demnach ganz gestrichen. Das Chaos hielt laut Medien am Freitagvormittag an. Staatspräsident Luiz Lula da Silva forderte nach einer Krisensitzung in der Hauptstadt Brasilia, dass die Passagiere respektiert werden müssten.

Bereits seit drei Monaten kommt es immer wieder zu schweren Störungen im brasilianischen Luftverkehr. Zuletzt hatte am 6. Dezember eine Panne einen zentralen Kontrollturm lahm gelegt. Außerdem machen die Fluglotsen seit Wochen „Dienst nach Vorschrift“, um auf ihre Arbeitssituation aufmerksam zu machen. Die Fluglotsen wollen verhindern, dass ihr Berufsstand für ein Unglück von Ende September verantwortlich gemacht wird. Eine Boeing der brasilianischen Gesellschaft Gol war nach einem Zusammenstoß mit einer kleineren Maschine über dem Urwald abgestürzt. 154 Menschen kamen ums Leben.

Untersuchungskommission scheitert

Nach Angaben der Luftfahrtbehörde waren am Donnerstag aber die Fluggesellschaften und das schlechte Wetter für die Probleme verantwortlich. Außerdem habe es auf dem Flughafen Santos Dumont in Rio de Janeiro am Morgen einen Stromausfall gegeben. Die brasilianische Tourismusindustrie klagt wegen des anhaltenden Chaos im Luftverkehr über einen Einbruch im Reisegeschäft.

Eine Untersuchungskommission des Parlaments, die die Gründe für das Luftverkehrschaos ermitteln sollte, schloss ihre Arbeit am Donnerstag ohne Ergebnis ab. „Das ist schon sehr frustrierend. Leider haben wir viel Zeit verloren und werden kaum etwas zur Lösung der Krise im Luftverkehrsbereich beitragen können“, räumte Kommissionschef Alceu Collares offen ein.

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