Chaos in Kairoer Museum
Der Fluch des Pharaos

Die Bilder von der tonnenschweren Ramses-Statue haben gerade die Blicke auf Ägyptens antike Schätze gelenkt – und auf das Chaos in einem der berühmtesten Museen.

KAIRO. Die Feuchtigkeit hat die zentimeterdicke Staubschicht in mehr als 100 Jahren zu einer festen Masse werden lassen. Was sich darunter verbirgt, lässt sich nur erahnen. Leichte Rundungen deuten auf menschliche Schädel hin, Ecken und Kanten auf Sarkophage, die offenbar übereinander gestapelt wurden. Von Farben keine Spur mehr. Alles grau in grau.

Wafa el Saddik lässt dieses Bild einen Moment auf ihrem Computerbildschirm stehen. „So fand ich den Keller des ägyptischen Museums vor, als ich hier angefangen habe“, erklärt die 55-jährige Archäologin.

Seit Februar 2004 ist sie Direktorin des Ägyptischen Museums in Kairo, das eine der berühmtesten Antiquitätensammlungen der Welt beherbergt – darunter die Goldmaske des Pharaos Tutanchamun und den gesamten Schatz aus seinem Grab. Zu anderen antiken Stücken, die im Museumskeller lagern, arbeiten sich el Saddik und ihre Mannschaft, die aus 20 Restauratoren besteht, erst langsam vor. „Der Keller gleicht einem Labyrinth, jeden Tag entdecken wir neue Schätze“, sagt die Archäologin in perfektem Deutsch. Wafa el Saddik hat in Wien promoviert und danach lange in Köln gearbeitet.

Was sich jahrzehntelang im Museumskeller abgespielt hat, muss jeden Archäologen erschüttern. Ausgrabungsfunde wurden ungeordnet und unbeschriftet gestapelt – ohne Schutz gegen Staub, Feuchtigkeit oder Schädlinge. Und das in einem Land, das ausgesprochen stolz ist auf seine Vergangenheit und dies auch im Alltag immer wieder deutlich macht. Wie am vergangenen Freitag, als die Statue des Pharaos Ramses II. unter den Augen zahlreicher Schaulustiger aus der Kairoer Innenstadt in die Nähe der Pyramiden von Giseh verfrachtet wurde.

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