Chemie-Unglück
Giftiges Wasser fließt nur langsam vorüber

Die Gefahr durch Vergiftungen im nordchinesischen Harbin nach dem Chemie-Unglück haben offenbar abgenommen. Die Konzentration des Krebs erregenden Stoffes Benzol im Fluss Songhua ist gesunken. Allerdings fließt das Gift langsamer als erwartet weiter.

HB HARBIN/PEKING. Die Konzentration des Krebs erregenden Stoffes Benzol im Fluss Songhua betrage nur noch das 2,3-fache der erlaubten Werte, teilte die Stadtregierung auf ihrer Internet-Seite mit. Am Freitagmorgen war 30-mal soviel Gift gemessen worden wie offiziell gestattet.

Das staatliche Fernsehen berichtete, am Montagmorgen würden einige Bewohner der Millionen-Metropole wieder Leitungswasser erhalten. Die Versorgung ist seit Dienstag unterbrochen. Es wurde erwartet, dass der 80 Kilometer lange Giftteppich im Songhua bis Sonntagmorgen an der Stadt vorbeigezogen sein wird.

„Die Leute misstrauen diesem Plan“, sagte der Restaurant-Besitzer Wang Baoquing. „Wie können sie sicher sein, dass das ganze Gift aus dem Netz verschwunden ist, dass die Menschen nicht zu früh Wasser trinken und Restaurants Leitungswasser nicht als Mineralwasser verkaufen?“

Es wird erwartet, dass das giftige Wasser Harbin am Sonntag passiert hat. Mehr als 1000 Soldaten und Arbeiter halfen, Aktivkohle in Filteranlagen des größten Wasserwerkes der Stadt zu verteilen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Damit sollen die Giftstoffe aus dem Wasser ausgeschieden werden.

Chinas Außenminister Li Zhaoxing hat am Samstag den russischen Botschafter Sergei Razov vor dem Gift im Fluss Songhua gewarnt. Der Teppich von benzolvergiftetem Wasser, der in China die Wasserversorgung mehrerer Städte lahm gelegt hatte, wird Russland nach neuen Berechnungen aber erst in etwa zehn Tagen erreichen. Das verseuchte Wasser werde am 6. oder 7. Dezember in den Grenzstrom Amur fließen und vier Tage später die Großstadt Chabarowsk erreichen, teilte der russische Zivilschutz am Samstag mit. Ursprünglich hatte Russland bereits für dieses Wochenende mit der Giftflut aus China gerechnet.

Der Außenminister habe sich außerdem bei Razov entschuldigt, berichtete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass. Li habe auch Hilfe angeboten, um die Konsequenzen der Verschmutzung zu bewältigen. Wie die Behörden im Nordosten Chinas mitteilten, sollen die 3,8 Millionen Menschen in der Stadt Harbin vom späten Sonntagabend an wieder mit Wasser versorgt werden. Vier Tage mussten die Einwohner ohne Leitungswasser auskommen.

In Russland warnte ein Zivilschutzbeamter, je weiter sich der zur Zeit etwa 100 Kilometer lange Giftteppich auseinander ziehe, desto länger werde die gefährliche Phase dauern. „Im schlimmsten Fall müssen wir zwei Wochen lang mit erhöhten Konzentrationen von Nitrobenzol rechnen“, sagte er nach Angaben der Agentur Interfax.

Die schädlichen Stoffe waren nach einer Explosion in einem Petrochemischen Betrieb am 13. November in den Fluss gelangt. Staatliche Medien hatten zwar am selben Tag von der Explosion berichtet. Der Austritt der Chemikalien war aber erst Tage später bekannt geworden, als die Behörden in Harbin die Einwohner der Stadt informierten und das Wasser abstellten.

Der Regierung wurde deshalb Vertuschung vorgeworfen, insbesondere weil verschwiegen worden war, dass schon in kleineren Städten das Wasser abgedreht werden musste. Die Zeitung „China Daily“ kommentierte, die Wahrheit über den Chemieunfall werde verschwiegen. „Wir wissen nicht, was hinter dieser Vertuschung steckt“.

In der Stadt Harbin war es zu Panikkäufen von Mineralwasser gekommen, als das Wasser abgestellt wurde. Die Stadtverwaltung hatte versucht, die Einwohner mit Trinkwasser zu versorgen. Unter anderm waren Tankschiffe aus Nachbarregionen in die Stadt gekommen.

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