China
Erdbeben-Opfer fliehen vor Fluten

Erst das Beben – nun Wassermassen? Die Erdbeben-Opfer in China leiden weiter an den Folgen der Naturkatastrophe. Schwere Überschwemmungen drohen das Gebiet zu überfluten. Unterdessen widerrufen chinesische Medien die Meldung, ein Deutscher sei nach 114 Stunden gerettet worden.

HB BEICHUAN. Aus Sorge vor einem Dammbruch wurde nahe dem Epizentrum des Bebens im Südwesten Chinas ein Landkreis evakuiert. Zehntausende Menschen flüchteten sich in die Berge, weil der Wasserstand eines künstlichen Sees bedrohliche Ausmaße annahm. Ein Zeuge berichtete am Telefon, das Militär bringe im Kreis Beichuan sogar Rettungskräfte in Sicherheit und ziehe sich selbst schnell zurück. Im 90 Kilometer entfernten Qingchuan wurden dem Bericht eines Hongkonger Fernsehsenders zufolge sogar 1,2 Millionen Menschen in Sicherheit gebracht. Dort und in Beichuan hatten Erdrutsche Flüsse gefährlich anstauen lassen.

In der Katastrophenprovinz Sichuan und im angrenzenden Chongqing wurden die Dämme von mindestens 17 Stauseen beschädigt. Einige Dämme weisen Risse auf, andere lassen Wasser durch. Die Regierung in Peking sprach unterdessen von fast 29 000 Toten. Die Zahl könnte auf 50 000 steigen. Ein Regierungssprecher ergänzte, 4,8 Millionen Menschen seien obdachlos. Das Deutsche Rote Kreuz sowie die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften riefen dringend zu Spenden für die Überlebenden auf. Mit zwölf Millionen Euro könnten in den nächsten zwölf Monaten etwa 100 000 Menschen in Sichuan unterstützt werden, erklärten die Organisationen.

Selbst das verarmte Nordkorea bot seinem Verbündeten und Nachbarn nach offiziellen Angaben 100 000 Dollar Hilfe an. Präsident Hu Jintao drängte die Helfer zur Fortsetzung der Suche nach Überlebenden. Auch wenn die ersten 72 Stunden nach dem Unglück vorbei seien, in denen es die besten Überlebenschancen gebe, bleibe die Rettung von Leben die oberste Priorität, sagte Hu nach Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

In den Erdbebengebieten haben die Behörden den Kampf gegen die Seuchengefahr verstärkt. „Der Kampf gegen Epidemien ist die dringenste und größte Aufgabe, die sich uns momentan stellt“, sagte Vize-Landwirtschaftsminister Wei Chao'an vor Journalisten in Peking. Kopfzerbrechen bereitet den Behörden die Trinkwasserversorgung und die Hygiene der fünf Millionen Menschen, die seit dem verheerenden Beben vom Montag auf der Straße oder in Flüchtlingslagern leben. Die Regierung hat nach eigenen Angaben 48 Wasseraufbereitungsmaschinen in die am schlimmsten betroffenen Gebiete geschickt.

Ein weiteres Risiko seien die 12,5 Millionen Tierkadaver im Katastrophengebiet, sagte der Leiter der chinesischen Veterinärbehörde, Li Jingxing. Die verwesenden Tierkörper könnten die Ausbreitung von Krankheiten wie Vogelgrippe, Tollwut oder Tetanus zur Folge haben.

Chinas staatliche Medien haben unterdessen eine Meldung korrigiert, derzufolge ein deutscher Tourist 114 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben aus den Trümmern gerettet worden war. Der 62-jährige Reiseleiter Bogdan Brakus sei unverletzt und habe sich während des Bebens in einem entlegenen Dorf aufgehalten, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua nun. „Mir geht es völlig gut, mir fehlt nichts“, sagte Brakus.

Der neuen Version zufolge war Brakus, der als Reiseleiter und Bergführer arbeitet, mit einem Übersetzer und einem Fahrer auf einer Straße unterwegs, als das Erdbeben begann. Das Trio habe sich durch die Trümmer bis in ein Dorf durchgeschlagen, wo sie fünf Tage lang mit Wasser und Nahrung versorgt worden seien. Von dort wurden sie schließlich von Soldaten gerettet, wie Xinhua berichtete.

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