China
Funktionär nach Umweltkatastrophe tot aufgefunden

Der Vizebürgermeister der chinesischen Stadt Jilin ist tot aufgefunden worden. Der hohe Funktionär hatte nach dem Unfall im Chemiewerk der Stadt das Ausmaß der Umweltkatastrophe tagelang vertuscht. Offenbar nahm er sich nun das Leben.

HB JILIN. Vizebürgermeister Wang Wei habe tot in seiner Wohnung gelegen, sagte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung am Mittwoch. "Es ist nicht klar", antwortete ein Polizeisprecher auf die Frage, ob es Selbstmord oder ein Mord war. In Medienberichten in Hongkong hieß es jedoch, Wang Wei habe sich erhängt. Die Zeitung "Ta Kung Pao" sprach von einer "sehr heiklen Zeit".

Der Vizebürgermeister hatte am Tag nach der Explosion in dem Chemiewerk in Jilin am 13. November abgewiegelt, dass es größere Umweltschäden geben könnte. Das Benzol würde vielmehr vollständig verbrannt. Es gebe auch "keine Veränderung" in der Wasserqualität des Flusses Songhua, hatte Wang Wei beteuert. Tatsächlich flossen aber 100 Tonnen Benzol und Nitrobenzol in Fluss und verseuchten einen 80 Kilometer langen Wasserabschnitt. Die Behörden drehten daraufhin der Neun-Millionen-Metropole Harbin am Oberlauf des Songhua für fast eine Woche das Wasser ab.

Die Regierung in Peking hat inzwischen eine Untersuchungskommission eingesetzt, die auch das Verhalten der lokalen Behörden unter die Lupe nehmen soll. Die Behörden kündigten am Mittwoch harte Strafen für die Verantwortlichen des Unfalls an. "Wir werden mit jedem hart verfahren, der der Pflichtverletzung für schuldig befunden wird", teilte die Arbeitsschutz-Behörde mit.

Der Chef des Chemiewerkes des Ölriesen China National Petroleum Company (CNPC), der Werksleiter und der für Benzol zuständige Abteilungsleiter wurden bereits von ihren Ämtern entbunden, berichteten die Medien. Am Freitag hatte Umweltminister Xie Zhenhua die Verantwortung für die Katastrophe, die auch Russland bedroht, übernommen und seinen Posten zur Verfügung gestellt.

Der Gift auf dem Songhua hat inzwischen die Vororte der Stadt Jiamusi nahe der russischen Grenze erreicht. Es wird erwartet, dass die Chemikalienfracht in Kürze nach Russland fließt. China hat sich inzwischen bei Russland für den Unfall und das zögerliche Krisenmanagement entschuldigt. Es hat dem Nachbarland Ausrüstung und technische Unterstützung angeboten, um die Krise zu bewältigen.

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