China
In Harbin fließt wieder Wasser

Nach der Umweltkatastrophe in China haben die vier Millionen Menschen in Harbin seit Sonntag wieder Wasser aus der Leitung. Die vier Tage unterbrochene Wasserversorgung wurde sogar fünf Stunden früher als erwartet wieder aufgenommen.

HB PEKING. Die am stärksten verschmutzten Wassermassen im Fluss Songhua im Nordosten des Landes waren am Sonntagmorgen an der Großstadt vorbeigeflossen. Bei einem Besuch in Harbin kündigte Regierungschef Wen Jiabao die Bestrafung der Verantwortlichen für die Umweltkatastrophe an. Indirekt kritisierte der Regierungschef auch die Vertuschung des Chemieunfalls vor zwei Wochen durch die Behörden.

Um den verunsicherten Menschen die Angst zu nehmen, trank der Gouverneur der Provinz Heilongjiang, Zhang Zuoji, demonstrativ den ersten Schluck, als das Leitungswasser wieder lief. Bis wieder die volle Kapazität erreicht werde, sei die Wasserversorgung allerdings nicht durchgehend, teilten die Behörden nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua mit. In Zeiten mit hohem Verbrauch am Morgen und Abend soll aber ausreichend Wasser zur Verfügung stehen.

Solange müssten noch Prioritäten gesetzt werden. Autowaschanlagen und Badehäuser dürften noch nicht wieder den Betrieb aufnehmen.

Bei seinem Besuch in Harbin, der ausdrücklich auch im Auftrag von Staats- und Parteichef Hu Jintao erfolgte, sagte Regierungschef Wen Jiabao am Samstag nach Xinhua-Angaben: „Jene, die verantwortlich für die Verschmutzung des Flusses Songhua sind, müssen bestraft werden.“ Nachdem die Vergiftung mehr als eine Woche lang vertuscht worden war, betonte der Ministerpräsident die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit „rechtzeitig“ mit „sachlichen Informationen“ zu unterrichten.

Die Umweltkatastrophe und ein weiterer Chemieunfall im Südwesten demonstrieren für Vizeumweltminister Pan Yue die „Dringlichkeit der Umweltprobleme“ in China, „die unser tägliches Leben bedrohen“. Bei einer Veranstaltung sagte der Vizeminister: „Die Probleme erfordern dringend Aufmerksamkeit und entschlossene Lösungen.“ Eine Behörde oder eine kleine Zahl von Menschen könnten sich nicht darum kümmern.

„Es braucht die Mitwirkung und Aufsicht der gesamten Gesellschaft.“ Umweltfragen seien lange ignoriert worden, während Funktionäre nur wirtschaftliches Wachstum vorantrieben, um befördert zu werden.

Um die Wasserversorgung in Harbin wieder aufnehmen zu können, arbeiteten mehr als 1000 Arbeiter und Soldaten im Wasserwerk rund um die Uhr. 1200 Tonnen Aktivkohle zur Reinigung des Wasser von Schadstoffen waren aus anderen Provinzen herangeschafft worden.

Weitere Transporte sind unterwegs. Im Fluss sank die Konzentration von Nitrobenzol am Sonntag auf den zulässigen Grenzwert, berichtete die Umweltbehörde. Benzol soll gar nicht gemessen worden sein. Chinas Außenminister Li Zhaoxing entschuldigte sich bei einem Treffen mit Russlands Botschafter Sergej Razow in Peking für die erwarteten Schäden der Umweltkatastrophe im fernen Osten Russlands und bot Hilfe an. Indem zwei Stauseen flussaufwärts zusätzlich Wasser abließen, versuche China, die Giftstoffe weiter zu verdünnen. Der bereits 100 Kilometer lange Giftteppich auf dem Fluss Songhua wird am 6. oder 7. Dezember in den russischen Amur fließen und vier Tage später die Grenzstadt Chabarowsk erreichen. Noch wiesen Wasserproben, die russische Katastrophenschützer im Amur nehmen, keine Giftspuren auf. Sobald der Giftteppich erscheint, will Russland den Fluss mit Wasser aus Talsperren durchspülen.

Die Schadstoffe waren nach einer Explosion am 13. November in einem Petrochemischen Betrieb in Jilin in den Fluss gelangt. Die Behörden und der Ölkonzern China National Petroleum Corporation (CNPC) hatten das Leck mehr als eine Woche verschwiegen. Die Umwelt- Organisation WWF forderte China auf, die Schadstoffeinleitungen in den Fluss grundsätzlich zu verringern. „Die Chemiekatastrophe zeigt nur die Spitze des Eisbergs chinesischer Umweltsünden.“ Schon vor dem Unfall sei der Songhua einer der dreckigsten Flüsse Chinas gewesen. Ein Aktionsprogramm wie einst am Rhein sei nötig.

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