China-Lexikon
China-Lexikon: Mittelstand

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist in China eine neue soziale Gruppe herangewachsen: der Mittelstand. Selbst bezeichnen sich die Menschen oft als "neue Reiche". Sie verändern das Land.

ao PEKING. Sie kaufen sich Wohnungen, Autos und Markenkleidung und fliegen nach Thailand in den Urlaub: In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist in China eine neue soziale Gruppe herangewachsen, die im Westen hoffnungsfroh Mittelstand genannt wird. Selbst bezeichnen sich die Profiteure des Wirtschaftswachstums oft als „neue Reiche“.

Der Chinaexperte David Goodman von der Universität Sydney warnt jedoch vor Verwechselungen: Nicht Klassenbewusstsein, sondern Konsumverhalten eine die Gruppe in China. Zudem sei es gerade in einem kommunistischen Land schwierig, einen Mittelstand zu definieren.

Wissenschaftler zählen jene Bürger dazu, die mehr als 6 000 Euro im Jahr verdienen. 80 Millionen Chinesen, sechs Prozent der Bevölkerung, sind es heute. Bis 2010 wird es jeder dritte Chinese sein. Die Aufsteiger in den Mittelstand – viele sind Manager, Unternehmer, Ingenieure oder Banker – ballen sich in den großen Städten und an der Ostküste. Im armen, westlichen Hinterland sind sie kaum zu finden.

Was sie eint, ist laut Goodman ein „globaler, vom US-Fernsehen dominierter Lebensstil“. Mit ihnen wächst auch der Markt für Luxusartikel: Zwölf Prozent der Weltproduktion an Luxusschuhen und -taschen, Parfüms und Schmuck werden bereits in der Volksrepublik verkauft.

Eins unterscheidet die chinesischen Aufsteiger laut Goodman wesentlich vom westlichen Mittelstand: Während Letzterer eine eigene Klasse mit verbindenden Werten sei, sei Chinas Mittelstand ein gewollter, zentraler Teil der herrschenden Klasse.

Unter den „neuen Reichen“ gibt es etwa sechsmal mehr Parteimitglieder als im Rest der Bevölkerung. Deshalb werde der neue Wohlstand auch nicht zu demokratischen Reformen führen, sagt Chinaexperte David Goodman: „Diese Menschen sind Teil des Ein-Parteien-Staates, und sie stützen ihn.“

Die wirklich Reichen Chinas sind gegenüber den 80 Millionen nur eine kleine Gruppe, die allerdings stark wächst. 106 Dollar-Milliardäre meldet der Hurun-Report. Der durchschnittliche superreiche Chinese ist 47 Jahre alt, männlich, stammt aus Ostchina, hat sein Unternehmen um 1993 gegründet, besitzt 562 Millionen Dollar – und er hat sein Geld mit Immobilien oder in der Industrie gemacht. | ao

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