China-Lexikon
Hutong

In den „Hutongs“, den alten Hofgassen, ist noch das ursprüngliche Leben in China zu beobachten.

and PEKING.In den engen Gassen um die Pekinger Antikstraße Liulichang geht es immer bunt zu. Auf dem Straßenmarkt zwischen den geduckten Häusern gibt es Früchte, Fleisch und Baozi – traditionelle Hefeklöße mit Füllung. Hier findet man das Schriftzeichen „Hutong“ überall, denn jede der kleinen Straßen hat einen eigenen Namen.

Die alten Gassen mit ihren Hofhäusern sind schon vor fast 800 Jahren im alten Zentrum um die Verbotene Stadt entstanden. Damals bauten sich immer mehr wohlhabende Bürger „Siheyuans“, Wohnhöfe mit vier kleinen Häusern, die sich bald nebeneinander wie auf einem Schachbrett aufreihten und die Gassen formten, die damals erstmals als Hutong bezeichnet wurden.

Mit der Gründung der „nördlichen Hauptstadt“, wie Peking übersetzt heißt, entfalteten sich dann zum Anfang des 15. Jahrhunderts die Hutong-Viertel immer weiter um den Kaiserpalast. Bis in die neunziger Jahre hinein waren sie die vorherrschende Wohnbebauung in Pekings Innenstadt. Von den 6 000 Hutong-Gassen in Peking soll es in den achtziger Jahren noch die Hälfte gegeben haben.

Schon während der Kulturrevolution (1966 bis 1976) aber hatten die Roten Garden den Hutongs den Kampf angesagt. Zum einen brauchte Mao Platz für Aufmarschplätze und Prunkbauten. Vor allem aber galten die verwinkelten Gassen als intellektuelle Brutstätte.

Wegen des enormen Anstiegs der Immobilienpreise wurden in den neunziger Jahren viele der alten Stadtviertel dem Erdboden gleichgemacht. Inzwischen soll es nur noch rund 500 Hutongs geben.

Doch die von Touristen geliebte Hutong-Romantik hat auch Kehrseiten. Die kleinen Häuser in den Gassen haben bis heute oft weder Kanalisation noch eine eigene Toilette. Hutongs waren darum stets ein Gesundheitsrisiko, weiter vom Stadtzentrum entfernte Gassen wurden oft zu übel riechenden Slums.

Gegen den flächendeckenden Abriss hatte sich in der Bevölkerung dennoch zunehmend Widerstand formiert, da neuer Wohnraum in Peking teuer ist und die versprochene Kompensation oft nicht ausgezahlt wurde. Hutong-Bewohner, die sich weigerten auszuziehen, wurden aber von der Staatsgewalt dazu gezwungen.

2005 errangen Denkmalschützer einen Erfolg: Die noch erhaltenen Hutong-Viertel um den Kaiserpalast stehen seitdem unter Denkmalschutz. Zudem sollen einige Viertel „kulturangepasst“ neu entstehen. So werden südlich vom Platz des Himmlischen Friedens Hutong-Straßen im alten Stil wieder aufgebaut. Kritiker sprechen jedoch von einem „Hutong-Disneyland“, das mit den traditionellen Vierteln nichts mehr zu tun habe.

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