China-Lexikon
Kopieren

Chinesen beherrschen das Kopieren von Produkten nahezu perfekt – sehr zum Unmut der westlichen Welt.

ke DÜSSELDORF. Das kommunistische China gilt heute längst als Vorreiter des Raubtierkapitalismus. Gnadenlos wird im ganzen Land das nachgemacht, was in anderen Ländern teuer entwickelt und designt wurde. Das offiziell verbotene, aber inoffiziell geduldete Geschäft ist in der Hand der organisierten Kriminalität.

Wer über die Märkte von Peking oder Shenzhen schlendert, findet überall täuschend echt kopierte westliche Markenartikel. Es gibt kaum ein Markenprodukt, das nicht nachgemacht würde. Sportschuhe und T-Shirts von Adidas oder Nike, Handtaschen von Gucci, Füller von Montblanc. Dazu Kosmetik, Uhren und Software.

Mehr als 35 Prozent aller Fälschungen betreffen das Segment der Videospiele und des Computerzubehörs. Jede dritte CD gilt heute als Raubkopie. Der Umsatzausfall für die Softwarehersteller beträgt nach Angaben des Deutschen Patent- und Markenamts fast 40 Milliarden US-Dollar jährlich.

Das Geschäft der Kopierer schädigt die Weltwirtschaft in Milliardenhöhe. Laut einer Studie der OECD betrug der Schaden im internationalen Handel durch Produkt- und Markenpiraterie 2005 etwa 200 Milliarden US-Dollar. Insgesamt kommen über 70 Prozent aller in Deutschland aufgegriffenen nachgeahmten Waren aus China.

Viele Konzerne beschäftigen längst Kontrolleure, die verdeckt auf Chinas Märkten nach Kopien der Produkte Ausschau halten. Dabei geht es nicht nur um verlorengegangene Umsätze, sondern auch um den guten Ruf der Unternehmen – denn die auf ausländische Märkte geschmuggelte Ware entspricht in der Regel nicht den hierzulande gültigen Sicherheits- und Gesundheitsstandards.

Besonders besorgniserregend wird bei den Zollbehörden registriert, dass immer mehr gefälschte Medikamente auftauchen. 2006 konfiszierten die Zöllner in der EU 2,7 Millionen Arzneipackungen, fünfmal so viel wie im Jahr zuvor. Auch geschmuggelte Zigaretten enthalten oft viel höhere Schadstoffwerte als die Originale, von gefälschten Handyakkus gehen Verbrennungsgefahren aus.

Allein am Frankfurter Flughafen wurden im vergangenen Jahr mehr als 880 000 Plagiate sichergestellt. Nach Angaben des Hauptzollamts Frankfurt ist das rund ein Drittel mehr als im Jahr zuvor.

Dass es jedoch nicht völlig aussichtslos ist, sich juristisch gegen die Kopier-Mafia zur Wehr zu setzen, zeigt der Fall Ferrero. Nach fünfjährigem Rechtsstreit hat der italienische Süßwarenhersteller jüngst eine Klage wegen Produktpiraterie in China gewonnen.

Das chinesische Unternehmen Montresor Food muss die Verpackung seiner Schokokugeln ändern, so dass sie nicht mehr aussehen wie die mit Goldpapier umhüllten „Rocher“ von Ferrero, urteilte ein chinesisches Gericht. Zudem muss die Firma eine Strafe von 45 000 Euro zahlen.

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