China-Lexikon
Kulturrevolution

Maos „Kulturrevolution“ stürzt das Land in Chaos und Arnachie.

kir PEKING. Im Frühjahr 1966 beginnt in China die „Große Proletarische Kulturrevolution“. Mao Zedong ruft die Menschen zur Rebellion auf, zum Kampf gegen „Revisionisten“ und „bürgerliche Autoritäten“ – mit dem Ziel, seine Macht auszubauen und Gegner in der Kommunistischen Partei auszuschalten. Die Kulturrevolution dauert ein Jahrzehnt. Was in dieser Zeit passiert, gehört zu den dunkelsten Kapiteln in Chinas jüngerer Geschichte.

Mao bedient sich für seine Kampagne vor allem der Jugend. Er stachelt Millionen junger Leute an, den Klassenkampf gegen den inneren Feind zu führen. Sie schließen sich als „Rote Garden“ zusammen.

Maos führender Ideologe der Kulturrevolution, Lin Biao, fordert: „Alles Alte – ausbeuterisches Gedankengut, alte Kultur, Gebräuche und Gewohnheiten –“ soll vernichtet werden. In den darauf folgenden Monaten verbreiten die Roten Garden im ganzen Land Terror und Schrecken. Sie zerstören Kunstschätze und historische Gebäude, zertrümmern Bilder und Statuen.

Bekannte Künstler und Intellektuelle werden misshandelt. Vermeintliche Gegner der Kulturrevolution denunziert, innerparteiliche Gegner wie der spätere Architekt von Chinas Reformen, Deng Xiaoping, kaltgestellt.

Der Terror der Roten Garden zerstört jeden gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kinder denunzieren ihre Eltern, Freunde schwärzen einander an, Eheleute liefern sich gegenseitig aus. Nach dem Chaos der ersten Jahre setzt die Führung die Armee ein, um die Revolution unter Kontrolle zu bringen. Die Roten Garden werden niedergeschlagen. Hunderttausende Jugendliche kommen zur Umerziehung aufs Land.

Obwohl die Kulturrevolution offiziell 1969 für beendet erklärt wird, dauern die innerparteilichen Konflikte an. Erst mit dem Tod Maos 1976 endet die Kulturrevolution tatsächlich.

Die Zahl der Todesopfer ist bis heute nicht bekannt. Die Schätzungen schwanken zwischen einigen Hunderttausend und einigen Millionen. Die Kommunistische Partei wertet die Kulturrevolution heute als „schweren Fehler“ von Mao. Doch eine wirkliche Aufarbeitung dieser Zeit – der verlorenen Jahre, wie viele Chinesen heute sagen – steht noch aus.

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