China-Lexikon
Mao Zedong

Für die einen ist er der große Revolutionär und Philosoph, für die anderen ein Massenmörder: Mao Zedong.

slo PEKING. Haltbar gemacht für die Nachwelt, liegt sein einbalsamierter Leichnam in einem Kristallsarg. Das Gesicht ist gelblich verfärbt, eine chinesische Fahne bedeckt seine Beine. Tagaus, tagein ziehen die Massen an den Überresten des wohl berühmtesten Chinesen in seinem Mausoleum in Peking vorbei: an Mao Zedong.

Fast drei Jahrzehnte, von der Gründung der Volksrepublik China 1949 bis zu seinem Tod 1976, prägte er die Geschichte seines Landes. Zu Lebzeiten ließ er sich als großer Revolutionär feiern, der China in die Moderne beförderte und die Grundlage für den Wiederaufstieg des Landes zur Großmacht legte. Heute ehren ihn Chinas Kommunisten vor allem als Staatsgründer.

Während seiner Herrschaft starben Millionen von Menschen an den Folgen politischer Kampagnen, diktatorischer Machtausübung und verfehlter Wirtschaftspolitik. Auf mehr als 70 Millionen schätzen die Autoren einer weltweit beachteten Biografie die Zahl der Chinesen, die Mao erschießen, erschlagen oder verhungern ließ.

Geboren wird Mao am 26. Dezember 1893 in der Provinz Hunan im Süden Chinas als Sohn eines Reisbauern und Schweinehändlers. In der Schule hat er den Ruf, begabt, aber eigensinnig zu sein. Später arbeitet er als Lehrer und tritt der Kommunistischen Partei Chinas bei. Bürgerkriegsähnliche Zustände im China der 20er-Jahre, Kämpfe zwischen Warlords, Kommunisten, Bauern und Soldaten der zunehmend mächtigen Nationalen Volkspartei (Kuomintang) um General Chiang Kai-shek gehören wohl zu Maos prägendsten Erfahrungen. Seine Lehren aus dieser Zeit formuliert er so: „Es ist notwendig, eine Schreckensherrschaft in jedem Bezirk zu errichten.“

1949 gewinnen die Kommunisten den Bürgerkrieg. Chiang Kai-sheks Armee flieht auf die Insel Taiwan. Am 1. Oktober ruft Mao die Volksrepublik China aus. Er treibt den Aufstieg des Landes zur Militär- und Industriemacht voran. 1958 schickt er das Land auf den „Großen Sprung nach vorn“. Statt die Wirtschaft anzukurbeln, kommt es aber zu einer dramatischen Hungersnot. Acht Jahre später ruft Mao die Kulturrevolution aus. Fanatische Rotgardisten stürzen das Land im Namen der Ideologie ins Chaos. Der Mao-Kult erreicht seinen Gipfel, ganz China lernt ein kleines, rotes Büchlein auswendig: die „Mao-Bibel“. Universitäten und Schulen werden geschlossen; die Intelligenz wird aufs Land oder in Arbeitslager geschickt. Mehrere Millionen verlieren ihr Leben. Im September 1976 stirbt Mao.

Sein Konterfei prangt bis heute auf Banknoten, ein übergroßes Porträt am Tor des Himmlischen Friedens in Peking. Und ein Mao-Druck von Andy Warhol wird Ende Mai wohl für etwa 120 Millionen Dollar versteigert.

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