China-Lexikon
Wushu

"Wushu", ihre Kampfkünste pflegen die Chinesen seit Jahrhunderten.

ao PEKING. Mit „Wushu“ bezeichnen die Chinesen alle traditionellen Kampfkünste. Der Begriff wird oft mit „Kung-Fu“ übersetzt, doch das bezieht sich nur auf die harten, „äußeren“ Kampfkünste. Sie setzen auf Kraft und Geschwindigkeit und stammen aus den buddhistischen Shaolin-Klöstern.

Daneben gibt es die weichen, „inneren“ Kampfkünste, deren bekannteste das Tai-Chi-Chuan ist. Sie werden mit taoistischen Klöstern in den Wudang-Bergen in Verbindung gebracht. Dort soll der Legende nach der Taoist Zhang Sanfeng die Prinzipien der inneren Kampfkünste erkannt haben, als er den Kampf eines Kranichs mit einer Schlange beobachtete.

Der Begriff Tai-Chi wird erstmals im Klassiker „Yi Ging“ – das „Buch der Wandlungen“ wurde etwa 1600 v. Chr. verfasst – als philosophisches Konzept der Lehre von Yin und Yang erwähnt. Erst im 18. Jahrhundert brachte Wang Zongyue den Begriff in Zusammenhang mit der weichen Kampfkunst und nannte sie Tai-Chi-Chuan.

Verschiedene Stile bildeten sich heraus. Die meisten berufen sich auf eine Familientradition. Das Dorf der Familie Chen in der Provinz Henan gilt als Geburtsstätte. Dort lernte auch Yang Luchan, der Begründer des Yang-Stils. Yang, der den Beinamen „der nicht kämpft“ erhielt, kommt im 19. Jahrhundert nach Peking. Weil er Mitglieder der Kaiser-Familie unterweist, wird sein Stil schnell bekannt.

Für Wang Xiaolin, Präsident der 1958 gegründeten chinesischen Wushu-Gesellschaft, ist Wushu heute Chinas beliebtester Sport. Seine Organisation hat aus den Kampfkünsten wettkampftaugliche Sportarten gemacht. Während es im traditionellen Tai-Chi Formen mit über 100 „Bildern“ gibt, führte sie eine massentaugliche Kurzform mit 24 Bewegungen ein. Seit Anfang der 90er-Jahre finden nun alle zwei Jahre Wushu-Weltmeisterschaften statt.

„Wir haben wirklich gehofft, dass Wushu zur olympischen Sportart wird“, sagt Wang Xiaolin. Doch 2005 lehnte das Internationale Olympische Komitee den Antrag ab. Um das Gesicht zu wahren, organisiert der chinesische Verband nun zeitgleich mit Olympia im August in Peking ein Wushu-Turnier mit 128 Athleten aus 43 Ländern.

Traditionelle Meister wie Siao Weijia lehnen die Popularisierung des Tai-Chi, die das kommunistische Regime fördert, ab. Dass aus den Olympiaträumen nichts wurde, bedauert er deshalb nicht. „Wir brauchen keinen Wettbewerb“, sagt Siao Weijia. „Wir zeigen nicht, wer gewonnen hat. Nur mein Gegner und ich wissen, wo wir stehen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%