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China: Opferzahl steigt nach verheerendem Zugunglück

43 Tote, mehr als 200 Verletzte: Ein Zugunglück schockiert das Reich der Mitte. Jetzt hat die Suche nach den Schuldigen begonnen.

Beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in China kamen mehr als 40 Menschen ums Leben. Quelle: AFP
Beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in China kamen mehr als 40 Menschen ums Leben. Quelle: AFP

PekingBeim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge sind im Osten Chinas mindestens 43 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden. Vier Waggons stürzten staatlichen Medienberichten zufolge am Samstagabend nahe der Stadt Wenzhou von einer Brücke, als ein Schnellzug in einen stehenden Hochgeschwindigkeitszug raste. Dieser war demnach zuvor nach einem Stromausfall infolge eines Blitzeinschlags zum Stehen gekommen.

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Das schwerste Unglück in der Geschichte des Hochgeschwindigkeitsnetzes in China ereignete sich auf einer Bahnstrecke nahe der Stadt Wenzhou in der ostchinesischen Provinz Zhejiang, die für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern ausgelegt ist. Unter den Toten seien zwei Ausländer, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, ohne Angaben zu deren Nationalität zu machen. Insgesamt 211 Insassen wurden demnach verletzt.

Fotos von der Unglücksstelle zeigten einen senkrecht aus dem Erdboden ragenden Waggon. Aus den Wrackteilen versuchten Rettungskräfte auch am Sonntag weiterhin, Überlebende zu bergen. Viele Menschen waren zunächst unter den Trümmern eingesperrt. Ein Passagier sagte Xinhua, er sei über eine Stunde lang mit 60 anderen Insassen in einem der Züge eingeschlossen gewesen. Mit einigen von ihnen habe er sich durch ein Fenster ins Freie retten können.

Bis Sonntagnachmittag wurden die meisten Wrackteile vom Unglücksort entfernt. In einem Waggon wurde einem Bericht von Xinhua zufolge etwa 21 Stunden nach dem Unfall ein bewusstloser Junge gefunden. Er wurde ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Das Zugunglück war das schwerste in China seit im April 2008 beim Zusammenstoß zweier Züge in der Provinz Shandong 72 Menschen ums Leben kamen und mehr als 400 verletzt wurden.

Bahnminister Sheng Guangzu kündigte eine Untersuchung des Unglücks an. Ersten Ermittlungen zufolge wurde der Unfall durch Gerätefehler ausgelöst, die wiederum auf einen Blitzeinschlag zurückzuführen waren, wie das Eisenbahnministerium erklärte. Laut Xinhua ordnete die Regierung zudem eine "dringende Überprüfung" der Sicherheitsvorkehrungen im Schienenverkehr landesweit an.

Hunderte Millionen Chinesen sind auf den Zugverkehr angewiesen, da Flugreisen für die Mehrheit der Bevölkerung noch immer unbezahlbar sind. Das größte Schienennetz der Welt deckt bereits eine Fläche von mehr als 8000 Kilometern ab, bis 2012 sollen es 13.000 Kilometer und bis 2020 rund 16.000 Kilometer sein.

Das Unglück war nach einer Serie von Pannen ein neuer Schlag für den ehrgeizigen Ausbau des Schnellzugnetzes in China. Erst Ende vergangenen Monats hatte Regierungschef Wen Jiabao offiziell die umgerechnet 23 Milliarden Euro teure Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Peking und Shanghai eröffnet. Durch sie halbiert sich die Fahrzeit zwischen den beiden Städten.

Die hohen Kosten für den Schienenausbau auf der Strecke ließen Befürchtungen von Korruption aufkommen. Allein im vergangenen Jahr sollen Baufirmen und Einzelpersonen 187 Millionen Yuan (20 Millionen Euro) von dem Peking-Shanghai-Projekt abgezweigt haben. Im Februar wurde zudem der ehemalige Eisenbahnminister Liu Zhijun geschasst, der mehr als 800 Millionen Yuan Schmiergeld eingestrichen haben soll.

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