Chirurgenpräsident: Fehler nicht mehr unter Teppich kehren
Krankenhaus gefährlicher als Straßenverkehr

Mediziner sollen offen über Fehler reden - und in letzter Konsequenz dadurch Menschenleben retten. Dieses Ziel verfolgt der 122. Chirurgenkongress.

HB MÜNCHEN. „Wir dürfen Fehler nicht mehr unter den Teppich kehren und so tun, als wenn keine passieren würden“, erklärte Prof. Matthias Rothmund, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, am Montag in München. Durch Fehler in Kliniken kämen vermutlich mehr Menschen ums Leben als im Straßenverkehr, durch Aids oder durch Brustkrebs, sagte der Mediziner im Vorfeld des 122. Chirurgenkongresses, der vom 5. bis 8. April läuft.

In den USA gehen nach einer Studie von 1999 jährlich mindestens 44 000 Todesfälle - möglicherweise sogar 98 000 - auf vermeidbare Behandlungsfehler zurück, berichtete Rothmund. Für Deutschland lägen keine vergleichbaren Studien vor, aber man müsse grundsätzlich von einer ähnlichen Situation ausgehen.

Trotz der alarmierenden US-Studie sei das Thema Patientensicherheit in Deutschland nie angekommen und deshalb jetzt zum zentralen Thema beim Kongress gemacht worden. Damit solle trotz einiger Kritik aus den eigenen Reihen die „Politik des Schweigens in Deutschland“ durchbrochen werden.

Mit einem „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ will der Verband den Pfusch in den Operationssälen verringern. Als Voraussetzung von vorbeugenden Maßnahmen müssten Behandlungsfehler erst einmal erkannt und benannt werden, forderte Rothmund. „Wir müssen eine Fehlerkultur entwickeln.“ Über Fehler und Beinahe-Fehler müsse offen gesprochen werden. In den angelsächsischen Ländern seien in den Kliniken regelmäßige Konferenzen üblich, in denen die Todesfälle unter den Patienten noch einmal genau unter die Lupe genommen würden. „Solche Konferenzen finden bei uns in Deutschland in der Regel nicht statt.“

Für mehr Sicherheit bei Operationen forderte die Gesellschaft auch die Einrichtung von Ombudsmännern in den Krankenhäusern, bei denen das Klinikpersonal Meldung machen könne, wenn irgendetwas nicht in Ordnung scheine.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie werden in Deutschland jede Woche rund 122 000 Menschen operiert.

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