Chronik 2005
Ein Jahr des Übergangs

Was 2004 noch fest und stabil schien, hat 2005 ins Wanken gebracht. Dazu gehören die politischen Verhältnisse in Berlin ebenso wie die Fähigkeit der USA, ihre Probleme schnell und effizient zu lösen. In Paris wurde die multikulturelle Gesellschaft erschüttert, in Brüssel die Überzeugungskraft der europäischen Idee.

HB FRANKFURT. 2005 erscheint im Rückblick als ein Jahr des Übergangs. Die neuen Lösungen sind vielfach erst in Ansätzen erkennbar. In Zeiten des Übergangs sind feste Überzeugungen gefragt. Der Tod von Johannes Paul II. und die Wahl des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. haben im April Pilgermassen nach Rom gebracht, wie sie das atheistische Westeuropa kaum für möglich gehalten hat. Die Rückbesinnung auf konservative Werte erfasst auch die jüngere Generation, wie im August der Weltjugendtag in Köln gezeigt hat.

Die Sorge um die Zukunft hat aber auch Gegenströmungen Auftrieb gegeben. In Deutschland ist es der Union und der FDP nicht gelungen, gemeinsam die rot-grüne Koalition abzulösen, nachdem Gerhard Schröder im Juni überraschend die Machtfrage auf die Tagesordnung brachte. Beantwortet wurde sie nach langem Ringen von einer großen Koalition. Als erste Bundeskanzlerin steht Angela Merkel seit dem 22. November auch deswegen unter Handlungsdruck, weil das Regieren in Deutschland monatelang Pause hatte.

Dabei war 2005 das Jahr, in dem die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik erstmals über fünf Mill. stieg. Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im Hartz-IV-Paket beeinflusste die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, die die CDU für sich entschied. In der Außenpolitik scheiterte die deutsche Initiative für einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat am Widerstand der USA.

Zu einer Neubesinnung sah sich auch die Europapolitik gezwungen. Erst brachte die Ablehnung der gemeinsamen europäischen Verfassung bei den Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden den EU-Motor ins Stottern. Dann wurde auch der Brüsseler EU-Gipfel im Juni zum Fiasko, weil beim Geld - Stichwort "Britenrabatt" - die Gemeinsamkeit zu Ende war. Die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei hat erst einmal einen weiteren Rückschlag verhindert. Ab Januar liegt es nun an Österreich, das schlingernde Schiff Europa wieder auf Kurs zu bringen.

In den USA hatte Präsident George W. Bush wohl andere Vorstellungen vom ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit. Nach dem Hurrikan "Katrina" sah die Weltöffentlichkeit aus New Orleans Bilder, wie man sie sonst nur aus der Dritten Welt kannte. Bush sah sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt, nicht rechtzeitig genug gehandelt zu haben. Zudem wurde der Ruf nach einem Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak immer lauter.

Dort machte der politische Prozess weitere Fortschritte. Trotz der Fortdauer des Aufstands wählten die Iraker im Januar ein Parlament und gaben sich im November eine neue Verfassung. Der Alltag wird aber geprägt von ständigen Selbstmordanschlägen und Attentaten.

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