Chronik eines Verfalls
Hintergrund: Harald Juhnkes Abstürze

Harald Juhnkes Gesundheitszustand gab in den vergangenen Jahren immer wieder Anlass zu Spekulationen. Ärzte warnten nach seinen wiederholten Alkohol-Rückfällen, der Entertainer und Schauspieler werde solche Exzesse nicht lange überleben.

HB BERLIN. Harald Juhnkes Alkoholkarriere fing schon in den fünziger Jahren an:

1959 liefert er sich angetrunken eine Verfolgungsjagd mit der Berliner Polizei, wird handgreiflich und muss einige Monate in Haft.

1981: Eine geplante ZDF-Live-Sendung von „Musik ist Trumpf“ muss abgesagt werden, nachdem er bei Proben einen Zusammenbruch erlitt.

1984: Eine Aufführung der Komödie „Ein klarer Fall“ platzt nach wenigen Minuten in Hamburg, nachdem Juhnke offensichtlich alkoholisiert auf der Bühne fragte: „Hallo, ist hier jemand?“

1991: Juhnke ist wieder im Krankenhaus. Die Alkoholschübe werden häufiger.

Juni 1994: Juhnke wird 65 Jahre alt. Zum Thema Alkohol sagt er: „Meine Karriere ist so weit oben wie noch nie. Es wäre doof, sie zu gefährden und in meinen alten Schlendrian zu verfallen.“

August 1995: Nach den Dreharbeiten zum Film „Der Trinker“ stürzt der Star erneut ab. Juhnke erleidet einen Kreislaufkollaps. Ein Arzt sagt, der nächste tiefe Schluck könne sein letzter sein.

Oktober 1995: Juhnke steht in Berlin wieder beifallumrauscht auf der Bühne, sagt augenzwinkernd: „Mich haut kein Rum wirklich um.“

6. Januar 1996: Frühmorgens verlässt Juhnke seine Villa im Berliner Grunewald und trinkt sich durch Berlin. Er muss wieder ärztlich behandelt werden.

9. Februar 1997: In einem Hotel in Hollywood soll der betrunkene Entertainer einen farbigen Wachmann beleidigt haben. Der NDR kündigt die Zusammenarbeit mit Juhnke bis auf weiteres auf. Politiker fordern ein generelles Fernsehverbot für Juhnke. Dieser entschuldigt sich.

21. August 1997: Juhnke betrinkt sich tagelang nach einer erfolgreichen Aufführungsserie als „Der Hauptmann von Köpenick“ im Berliner Maxim-Gorki-Theater und landet auf einer Intensivstation.

3. Dezember 1997: Juhnke meldet sich nach der bis dahin längsten Zwangspause in seiner Karriere und nach der Rückkehr aus einer psychiatrischen Klinik in der Schweiz in der Öffentlichkeit zurück.

10. Juni 1999: Juhnke feiert in Berlin seinen 70. Geburtstag und beteuert, vom Alkohol befreit zu sein.

11. Juli 2000: Nach TV-Dreharbeiten bei Wien betrinkt sich Juhnke wieder und kommt in die Klinik in Basel. Erst im Oktober wird er wieder entlassen. Er tritt nicht mehr in der Öffentlichkeit auf.

Dezember 2000: Juhnke kommt wegen Herzrhythmusstörungen in ein Berliner Krankenhaus. Anschließend geht er zur Kur, die er wegen Herzstörungen abbrechen muss, die im Krankenhaus behandelt werden.

Mai 2001: Der Schauspieler kann nach Hause zurückkehren. Zu seinen Fans sagt er nach dem langen Klinikaufenthalt: „Macht euch keine Sorgen um mich!“

11. Dezember 2001: Juhnkes Manager Peter Wolf gibt bekannt, dass der Entertainer nie wieder als Schauspieler aktiv werden wird und jetzt in einem Pflegeheim für Demenzkranke bei Berlin lebt.

Juni 2002: Juhnke wird vorübergehend in eine Klinik verlegt. Er wird wegen Austrocknung mit Infusionen versorgt. Der Arzt Peer Juhnke, Sohn aus erster Ehe, ist über den Zustand seines Vaters entsetzt.

November 2002: Juhnke erkennt manche frühere Freunde nicht mehr.

September 2003: Susanne Juhnke veröffentlicht ihre Memoiren „In guten und in schlechten Tagen - Mein Leben“ mit erschütternden Einzelheiten über ihren jahrelangen Kampf gegen die Alkoholsucht ihres Mannes. Das Buch führt zum Rechtsstreit mit Sohn Peer über die Persönlichkeitsrechte seines Vaters.

November 2003: Juhnke kommt erneut vorübergehend in eine Klinik. Berichte über einen Schlaganfall dementiert seine Frau.

15. Dezember 2003: Manager Peter Wolf teilt mit, dass sich Susanne Juhnke große Sorgen um ihren Mann macht. Es sei fraglich, ob Juhnke das neue Jahr erleben werde, hieß es in seiner Umgebung.

10. Juni 2004: Juhnke wird im ZDF mit einer Gala zum 75. Geburtstag von Freunden und Weggefährten geehrt. Der Jubilar selbst kann nicht mehr teilnehmen.

1. Dezember 2004: Juhnke wird vorübergehend wieder ins Krankenhaus gebracht. Weitere Aufenthalte folgen.

1. April 2005: Juhnke stirbt im Alter von 75 Jahren. Nach Angaben seiner Frau erliegt er den Folgen seiner chronischen Erkrankung.

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