Columbine und seine Folgen
Big Brother in US-Schule

"Big-Brother" lässt grüßen: In der Biloxi High School werden die Schüler permanent von Kameras überwacht. Direktor Cecil Powell hält große Stücke auf das System, das dazu führen soll, die Gewalt an der Schule im US-Bundesstaat Mississipi einzudämmen.

HB WASHINGTON. Die Schüler der Biloxi High School im US-Bundesstaat Mississippi sind unter ständiger Beobachtung. Über ihren Köpfen an den Decken wachen dutzende Kameras, die jeden Schritt verfolgen. Schuldirektor Cecil Powell ist von dem System begeistert. Ziel sei es, Gewalttäter abzuschrecken und damit die Schulen sicherer zu machen. Und bisher funktioniere das Überwachungssystem bestens, versichert Powell.

Aufgeschreckt durch blutige Schießereien in Columbine und an anderen amerikanischen Schulen hatte der Distrikt Biloxi beschlossen, alle Schulen mit den Kameras auszustatten. Da der Distrikt dank üppiger Steuereinnahmen von neun Spielcasinos über einen satten Etat verfügt, konnte der Plan auch schnell umgesetzt werden.

800 digitale Kameras überwachen nun die mehr als 6 000 Schüler im gesamten Distrikt, der damit Vorreiter in den USA ist. Ob Verbrechen oder Gewalttaten damit verhindert wurden, ist unklar. Schuldirektor Powell verweist aber neben dem Abschreckungseffekt auch auf die Aufklärung kleinerer Missetaten und andere positive Nebenwirkungen. So konnte eine vermeintlich gestohlene Lederjacke wieder gefunden werden, die von einem Lehrer in Wirklichkeit nur verlegt worden war, erklärt Powell.

"Missbrauch der Kameras ist nicht möglich"

Der Schuldirektor betont, dass ein Missbrauch der Kameraaufnahmen nicht möglich sei. Nur er und zwei weitere Mitglieder des Rektorats hätten Zugriff auf die digitalen Aufzeichnungen, die sie von jedem Internet-Computer aus ansehen können. Niemand müsse sich Sorgen vor einer Kontrolle machen, da die Kameras nicht dazu dienten, etwa den Unterricht eines Lehrers zu verfolgen.

Doch der Anwalt Lee Tien von der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation befürchtet gerade, dass die neue Technologie für solche Zwecke missbraucht werden könnte. Niemand könne ausschließen, dass ein Schulleiter damit überprüfe, ob ein Lehrer seine Klasse im Griff habe. Oder er könne sich mit den Kameras ein Bild über das Verhalten bestimmter Schüler machen.

Gefahr der Akzeptanz eines Überwachungsstaates

Tien sieht auch die Gefahr der größer werdenden Akzeptanz eines Überwachungsstaates, wenn bereits Schüler an die ständige Beobachtung durch Kameras gewöhnt würden. Die Schulen in Biloxi seien nur die „Spitze des Eisbergs“. Spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 seien die Amerikaner bereit, dem Staat immer tiefere Einblicke in ihre Privatsphäre zu geben.

Die Lehrer und Schüler in Biloxi scheinen dem Anwalt Recht zu geben. Die Englisch-Lehrerin Twyla Moore wurde in der Presse mit den Worten zitiert, sie und die meisten anderen an der Schule betrachteten die Kameras „nicht als einen Eingriff sondern als Schutz“. „Es gibt diese Akzeptanz, weil wir ohnehin daran gewöhnt sind, überall von Kameras beobachtet zu werden, im Supermarkt, an der Tankstelle und am Bankautomaten.“

Bisher ist Biloxi der einzige Gemeindedistrikt in den USA, der seine Schüler so total überwacht. Doch andere Schulen zeigen ebenfalls Interesse an den Kameras. Viele sehen in den verhältnismäßig billigen Digitalkameras eine sinnvolle Ergänzung zu den an vielen Schulen bereits installierten Metalldetektoren an den Eingängen. Sollte es Schülern gelingen, Waffen an den Eingangsdetektoren vorbei zu schmuggeln, dann könnten sie noch über die Kameras entdeckt werden.

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