Commerzbank
Kommentar: Stabile Beine

Ein Gewinneinbruch um mehr als 50 Prozent im Auftaktquartal und eine de facto kassierte Prognose für 2008 - sicherlich hätte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller wenige Tage vor seinem Wechsel an die Aufsichtsratsspitze gerne positivere Nachrichten verkündet. Doch das Zahlenwerk der heimischen Nummer zwei ist keineswegs so düster, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Hierfür spricht auch, dass Müller an seinem mittelfristigen Renditeziel von über 15 Prozent nach Steuern festhält. Das ist ein Wort - gerade in diesen turbulenten Zeiten, in denen mancher der Konkurrenten weit mehr als "nur" sein Jahresziel in Frage stellen muss.

Wermutstropfen im Quartalsbericht ist vielmehr die Staatsfinanzierung, wo im Zuge der andauernden Vollintegration der Tochter Essen Hyp zum wiederholten Male hohe Verluste aufgelaufen sind. Die Beinahe-Pleite der Düsseldorf Hyp, die ebenfalls Ex-Miteigentümer Schuppli gehörte, lässt ahnen, wie viel im Argen liegt. Schon heute pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass die für die Restrukturierung der Essen Hyp veranschlagten 150 Mill. Euro nicht ausreichen werden, um die marode Tochter aus dem Ruhrgebiet wieder auf Kurs zu bringen. Hier muss sich Müller in der Tat vorwerfen lassen, dem hoch riskanten Treiben der Essener viel zu lange zugeschaut zu haben. Falls es nicht gar übersehen wurde.

Für den künftigen Vorstandschef Martin Blessing bleibt also mindestens eine große interne Baustelle. Und die keineswegs einfache Aufgabe, bei der nun hoffentlich einsetzenden Konsolidierung des deutschen Marktes auf der Gewinnerseite zu stehen. Dies alles ändert jedoch nichts daran, dass sein Vorgänger in den sieben Jahren seiner Amtszeit als Vorstandssprecher die Bank, zeitweise Pleite-Kandidat, auf stabile Beine gestellt. So stabil, dass ihr auch die Krise bislang vergleichsweise wenig anhaben konnte.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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